Happy Nikolaus

Gestern war es wieder so weit: Nikoläuse, wo das Auge hinschaut. Ich mag sie, vor allem in Schokolade gegossen. Es macht mir Appetit, wenn eine rote Mütze aus einem Schuh ragt. Ich hab meinem Nachbarn spontan einen in seinen Joggingschuh gesteckt, der vor der Haustür stand. Ich weiß nicht, ob er das überlebt hat – der Nikolaus. Heute bekam ich sogar eine Mail von einem Nikolaus: eine netter Kollege, der mit einer Nikolaus-E-mail-adresse getarnt meine Arbeit freundlich kommentierte.

Die beste Geschichte erzählte mir einmal eine Frau, die sich an ihre Kindheitstage in der Nachkriegszeit erinnerte. Sie erzählte, dass irgendwann in den sehr dürftigen und armen Jahren nach dem 2. Weltkrieg der erste Schokoladennikolaus im Haus war. Vielleicht ein Geschenk. Sie – damals ein kleines Mädchen – hätte ihn natürlich gerne gegessen. Aber die Mutter stellte den in Alufolie verpackten Nikolaus in eine Glasvitrine und verkündete, dass er zunächst einmal bitteschön zu bewundern aber nicht zu essen sei.

Irgendwann war die Mutter außer Haus. Die Tochter bewunderte den Nikolaus, drückte sich die Nase platt. Dann dachte sie sich: einmal anfassen dürfte erlaubt sein. Sie öffnete den Schrank und nahm den Nikolaus. Dabei bemerkte sie, dass man die Alufolie hinten am Nikolaus an der Naht aufknibbeln kann. Das tat sie, und dann musste der nächste Schritt natürlich folgen: Sie brach vorsichtig ein winziges Stück aus der Schokolade heraus, schloss die Alufolie an der Naht, stellte den Nikolaus zurück, genoss die Schokolade, schloss die Vitrine und tat so, als sei nichts gewesen. Der Nikolaus auch.

Dieser Vorgang wiederholte sich in den kommenden Tagen immer wieder einmal. Bis die Mutter eines Tages verkündete, der Nikolaus solle jetzt gegessen werden. Sie öffnete die Vitrine, nahm den Nikolaus und musste mit Entsetzen feststellen, dass da nicht mehr viel Schokolade unter der Alufolie zu finden war: Der arme Mann brach ohne Rückgrat in sich zusammen.

Diese Erzählung ist für mich zum Synonym für das geworden, was häufig im Leben von Menschen zu finden ist: Nach außen glänzt es, die Farben sind kräftig und wunderbar anzusehen. Wir sind mit der äußeren Fassade unseres Lebens beschäftigt. Wir fallen auf die bunten Farben auf den Prospekten herein. Und wir produzieren selber das, was man früher als „Blendwerk“ bezeichnete. Auch viele Christen leben so – überflüssigerweise. Denn wenn Jesus etwas ermöglicht hat, dann, dass seine Jünger ehrlich leben. Es ging Jesus um echte Frömmigkeit. Heuchlerische Frömmigkeit stand im Kern seiner Kritik. Die Bergpredigt ist voll davon.

Ich  möchte so leben, dass wenn mich mal jemand anpackt, wenn mir jemand näher kommt, nicht alles sofort zusammenbricht. Ich möchte nicht unter Substanzlosigkeit zerbrechen, sobald mein Leben mal auf die Probe gestellt wird.

Wie kann das gelingen? Echte Gemeinschaft mit Jesus. Ehrlicher Glaube. Wenn ich meine Schuld wirklich ansehe und Jesus bekenne. Und noch mal: Ehrlichkeit, Ehrlichkeit, Ehrlichkeit.

Wer das lernt, verschwendet keine unnötige Energie in Image- und Fassadenpflege! Bei Jesus ist das – Gott sei es gedankt – völlig überflüssig.

In diesem Sinne: Happy Nikolaus.

Ein Kommentar zu “Happy Nikolaus

  1. Hallo Ansgar,
    bin zufällig auf deinen Blog gestoßen!
    Gute Beiträge!! Ich werde nun öfter mal vorbeisurfen.
    Alles Gute für Deine weitere Arbeit!
    liebe Grüße aus Manderbach

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: