Hoffnung

Gestern haben die Suchmannschaften auf Haiti einen Mann 11 Tage nach dem Erdbeben aus den Trümmern eines Hauses geholt. Er überlebte, weil er sich mit Keksen und Cola versorgen konnte. Seine Hoffnung auf Rettung wurde erfüllt! Andere wurden und werden enttäuscht. Andere Menschen sterben. Die Hoffnungen der Retter wurden dieses mal erfüllt. Viele andere male nicht.

Hoffnung gibt Kraft. Hoffnung erfüllt mit Begeisterung und Durchhaltevermögen.

Laut Definition ist Hoffnung dasselbe wie Glaube, nur, dass Hoffnung auf die Zukunft gerichtet ist. So weit, so lexikalisch. Und was ist Hoffnung konkret? Und Hoffnungslosigkeit? Und ab wann ist Hoffnung nicht mehr etwas positives, sondern nur ein billiges Vertrösten? Ab wann sind Hoffende einfach nur noch verrückte Leute, die sich der Realität nicht mehr stellen wollen? Ab dem 20. Tag? Ab dem 50. Tag?

Diese Fragen beschäftigen mich zurzeit. Auch deshalb, weil zu Pfingsten 2010 das Bundesjugendtreffen (BuJu – siehe:  www.buju.org) des Bundes Freier evangelischer Gemeinden stattfinden wird. Das Gesamtthema lautet „unkaputtbar“. Eins der Unterthemen, zu dem ich dort sprechen werde, ist das Thema „Hoffnung“. Gibt es „unkaputtbare“ (d.h. unzerstörbare) Hoffnung? Wie sieht die aus? Was bringt sie? Ich würde gerne einige Meinungen und Kommentare meiner Blogleserschaft zu diesem Thema sammeln und im Programmheft des BuJu veröffentlichen. Was ist Hoffnung für dich / Sie? Wo hast du / haben Sie Hoffnung gelebt? Wo bist du / sind Sie hoffnungslos?

Ein paar Vorschläge, wie ich mir das vorstelle.

Hoffnung ist…

…wenn die Rettungsmannschaften in Haiti auch am 11. Tag nach dem Unglück weiter graben.

…wenn ich Sommerschlappen anziehe, obwohl es draußen nur 10 Grad Celsius ist.

…wenn ich mein Studium anfange, obwohl ich noch nicht weiß, ob ich am Ende einen Job bekomme.

Zusatzfragen: Wo liegt hier die Grenze zum Verrückten? Wo muss ich Hoffnung vielleicht aufgeben?

Hoffnungslos bin ich ….

… wenn ich sehe, dass viele Menschen erst dann lernen, wenn es zu spät oder fast zu spät ist (siehe Umweltschutz oder der Bau erdbebensicherer Häuser)

… wenn ich auch nach Jahren keine/n Partner/in finde, obwohl ich wieder mal einen Versuch gestartet habe.

Zusatzfrage: Wie finde ich heraus, auf was ich hoffen kann, und auf was nicht? Gibt es eine gute Grundlage für meine Hoffnung?

Ich würde mich freuen über persönliche Statements als Kommentare. Ich bin gespannt darauf. Je kürzer und prägnanter, desto besser.

23 Kommentare zu „Hoffnung

  1. Hoffnungslosigkeit entstand bei mir, als ich „am Ende“ war mit der Vision einer Gemeindegründung. Ich war bereit, aufzugeben. Damit wurde „alles“ in Frage gestellt: „Verstehe ich Gottes Reden überhaupt? Redet Er wirklich? Gibt es Ihn?“ Hoffnungslosigkeit hat zu z.T. existentiellen Zweifeln geführt. Ein Lebenstraum drohte zu zerplatzen.
    Hoffnung brach durch, als ich meine Fast-Aufgabe vor Gott erklärte und Ihn bat, mir ein deutliches Zeichen zu geben, wenn ich mit der Gemeindegründung doch weitermachen soll. Im Gebet empfing ich einen Bibelvers, der wie das Öffnen einer Seitentür in einer scheinbaren Sackgasse war. Seitdem geht es mit der Gemeindegründung weiter und voran. Hoffnung gibt Mut, den nächsten Schritt zu tun.

    1. Danke für das ehrliche Statement!! Das wird auch anderen helfen, in scheinbar hoffnungslosen Situationen vor allem bei Gott alles abzugeben, das Herz auszuschütten und ihm wirklich alles zu überlassen.

  2. Bei 10° Sommerschlappen anzuziehen ist kein Beweis dafür Hoffnung zu haben, sondern der Beweis für hoffnungslose Unterbelichtung 😉 (Späßle, sagt man hier im Ländle.)

    Ansonsten ist die Frage, wo die Grenze zum Verrückten liegt, sicher nicht pauschal zu beantworten. Diese Grenze ist keine feste Linie auf der Skala der Geisteszustände, sondern immer abhängig von individuellen Voraussetzungen, die in der Persönlichkeit und den Umständen zu orten sind.

    Als Beispiel: Im Hochsommer morgens um 6:00 Uhr, als Schweißfußträger, der den ganzen Tag in der Sommerhitze unterwegs sein wird, Sommerschlappen anzuziehen, ist vorausschauend und klug.
    An einem regnerischen Herbstnachmittag für einen Waldspaziergang diese Fußbekleidung auszuwählen ist entweder ein Zeichen für Armut (es gibt auch hier Menschen, die nur 1 Paar Schuhe haben) oder für eine gewisse Bewußtseinstrübung.

    Ich bin immer wieder erstaunt, wie sehr wir Christen geradezu eine Sucht nach Normen und Richtlinien an den Tag legen. Am liebsten hätten viele meiner lieben Mitchristen für alles eine feste Definition. Wer also z.B. zur Kirche geht oder regelmäßig die Bibel liest, der ist okay. Wer dies oder jenes tut oder eben nicht tut, der zeigt Hoffnung oder lebt in Hoffnungslosigkeit.

    Gott ist ein sehr persönlicher Gott und die Bibel keine Sammlung von DIN Normen. Mit Jesus Christus machen wir ganz individuelle, sehr persönliche Erfahrungen, deren Ausmaß oder Tiefe nicht durch die Erfahrungsberichte anderer in der Bibel vordefiniert sind.

    Meine „unkaputtbare“ Hoffnung liegt einzig in Jesus Christus, seinem Leben, Sterben und seiner Auferstehung. Was „den Rest“ angeht, folge ich einer Empfehlung von Dietrich Bonhoeffer:
    „Wir müssen lernen, die Menschen weniger auf das, was sie tun und unterlassen, als auf das, was sie erleiden, anzusehen.“

    Grüßle, Sec

    1. Danke vor allem für den Hinweis auf das, was für dich „unkaputtbar“ ist! Das ist zentral! Hilf mir (und vielleicht anderen) noch, das Zitat von Bonhoeffer zu verstehen. Danke

  3. Hoffnung endet bei mir wenn ich in eine Person oder Sache kein Vertrauen mehr habe. Oder anders ausgedrückt Hoffnung basiert auf Vertrauen. Mein Vertrauen wird gestärkt durch Erfahrungen und Erlebnisse.

    Hoffnung ist wenn ich auf eine Sache setze deren Ausgang ungewiss ist.
    Hoffnung ist wenn Deutschland im Finale der WM zur Halbzeit 0:3 zurück liegt und ich noch vom Sieg überzeugt bin.
    Hoffnung ist wenn ich mich in wirtschaftlich angespanneten Zeiten selbstständig mache.

  4. Hoffnung ist für mich z.B. wenn ich weiter darauf vertraue, dass Gott mit meinen Kindern unterwegs ist und ihr Herz erreichen wird, auch wenn sie aktuell nichts mit Jesus in ihren Lebensentwürfen anfangen können.

  5. Hoffnung ist, wenn es so viele Kinder in der Gemeinde gibt, dass die Stuhlreihen halb leer sind, wenn sie in den Kindergottesdienst gegangen sind

    Hoffnung ist der Sonnenaufgang nach einer schlaflosen Nacht

    Hoffnung ist ein älteres Paar händchenhaltend und zufrieden schauend spazieren gehen zu sehen

    Hoffnung ist ein voller Kühlschrank

    Hoffnung ist die Aussicht auf eine warme Tasse Tee, wenn man friert

    Hoffnung ist einen leidenschaftlichen Christen zu sehen, der sich gerade für Jesus entschieden hat

  6. Hoffnung ist für mich das winzige Licht auf dem langen, dunkeln Weg.

    Hoffnung ist für mich das Warten auf die Ewigkeit.

    Hoffnung steigt in mir, wenn ich bete.

    Hoffnung ist etwas, was mich durch dunkle Zeiten trägt.

    Hoffnung stirbt nun mal zu letzt!

  7. Ganz persönlich:
    Hoffnungslos: Am 01.01.2010 beim spazierengehen hinzufallen und einen dreifachen Knöchelbruch zu erleiden. Alle Jahresplanung dahin, schwierige Operation, Schrauben in Fuß und Bein.

    Hoffnung: Zu sehen, wie Geschwister aus der Gemeinde helfen: Durch Gebete, Besuche, praktische Hilfe, etc. Heilung zu erfahren. Gottes Reich plötzlich wieder in vielen Sachen zu Erleben.

  8. Für mich drückt sich die Hoffnung eines Menschen am deutlichsten in der Art Musik aus, die er hört: der Headbanger hofft auf eine starke Hand, die ihm Gerechtigkeit bringt. Ein männlicher Pop-Konsument hofft darauf, das Glück seines Lebens zu finden, ein weiblicher darauf, es wieder vergessen zu können. In den Musikantenstadl geht man, weil irgendwo noch die Hoffnung auf eine heile Welt existiert. …

    Das ist natürlich stark verallgemeinert… 😉

  9. Hoffnung haben, Hoffnung pflegen heisst für mich, mich nicht von meinen Grenzen oder einer aufkommenden ängstlichen Sicht gefangen nehmen lassen, sondern von Gottes weiten heiligen Gedanken. Anstoß dazu ist mir ein Satz den ich vor ein paar Jahren fand: The categories of pessimism and optimism don´t exist for me, I am a prisoner of hope! -Cornel West.

  10. Den folgenden Satz von Sören Kierkegaard habe ich gerade gefunden. Ich finde er trifft es sehr gut:
    Hoffen heißt: die Möglichkeit des Guten erwarten.

  11. Unerfüllte Hoffnung ist total kräftezehrend (wenn ich z. B. jeden Monat feststelle, dass ich wieder nicht schwanger bin, kostet mich das Hin und Her zwischen Hoffen und Aushalten der Realität immens Kraft).
    Gleichzeitig erlebe ich, dass Hoffnung sich nicht deckeln lässt – obwohl ich für meine Nerven und Kräftehaushalt versuche nicht zu hoffen, klappt es nicht, kann ich mir selbst nichts einreden, was mich davon abhält, am Ende doch wieder zu hoffen (immer noch Bsp. Schwangerschaft).
    Und zuletzt – Hoffnung hat doch immer mit Fakten zu tun, die ich nicht in der Hand habe, die ich nicht beeinflussen kann, wo mir nichts anderes bleibt, als zu hoffen (neben Schwangerschaft auch alles mögliche andere, z.B. dass eine vorbereitete Veranstaltung wirklich auch gut läuft, Prüfung bestanden wird…)

  12. Hoffnung ist, wenn ich meine unmöglichen, ungenauen und perspektivlose Wünsche und Visionen zu einem Bild forme, in denen sie für mich möglich, klar und aussichtsreich aussehen.

  13. Hoffnungslos ist ein Gang durch die Fußgängerzone mitten durch Jugendliche und Erwachsene, die sich entweder aneinander, an der Zigarette oder an einer Flasche festhalten.

    Hoffnung ist, mit den kleinen Großcousinen einen stattlichen Schneemann zu bauen.

  14. Hoffnung ist, Kommilitonen zu sehen, die ohne BAföG ihr Studium bestreiten.
    Hoffnungslos wird nur derjenige, der den Glauben verloren hat.

  15. Hoffnung ist, Kommilitonen zu sehen, die ohne BAföG ihr Studium bestreiten.
    Hoffnungslos wird derjenige, der den Glauben verloren hat.

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