political correctness in der Sprache

Etwas irritiert habe ich in letzter Zeit hier und da die Meinung vernommen, militärische Begriffe seien im Zusammenhang mit „Mission“ nicht angemessen. Solch eine Sprache würdige den Menschen, um den es gehe, herab. Sie sei ein Zeichen fundamentalistischer Orientierung – und somit natürlich inakzeptabel.

Augenblick mal. War da nicht Paulus, der im Zusammenhang von Mission von einem geistlichen Kampf schrieb (Epheser 6)? Er empfahl eine „geistliche Waffenrüstung“ anzulegen. Aber damit kein Missverständnis entsteht. Der Kampf, so Paulus, ist nicht gegen Menschen, sondern gegen die Mächte der Finsternis (Epheser 6,12). Und die Waffen sind geistlich. Sie heißen „Gerechtigkeit“, „Wahrheit“ und vor allem „Gebet“. Ungern zitieren wir Jesus als er sagte: „Meint nicht, ich sei gekommen Frieden zu bringen, sondern das Schwert“ (Lukas 12,49ff). Damit kündigte er an, dass um seinetwillen Entzweiung kommen kann, schlimmstenfalls mitten durch Familien. Das passt nicht in das übliche Jesus-Bild und ist ja auch nicht alles, was über ihn zu sagen ist. Im Gegenteil! Dennoch spitzt Jesus hier die Konsequenz der Nachfolge so zu, damit klar bleibt, wer er ist. Er mutet uns diese Zuspitzung und die daraus entstehende Entzweiung zu.

Deswegen wende ich mich gegen die reflexartige Abwehr von allem, was unter Umständen irgendwo falsch verstanden werden könnte. Das ist unsinnig und verbiegt jede befreite und interessante Sprache. Ich wende mich gegen eine falsch verstandene „political correctness“ im allgemeinen Sprachgefühl. Denn diese Sprache ist oft langweilig und ihre Versatzstücke klingen immer gleich. Und ich wende mich gegen den anfangs beschriebenen Gedankengang. Der vereinfacht und verdächtigt Menschen, die sich am biblischen Sprachgebrauch orientieren.

Ironischerweise kann es sich die erfolgreiche Musikgruppe „Silbermond“ erlauben, in einem ihrer aktuellen Hits von „Kriegern des Lichts“ zu singen, deren „Mut wie ein Schwert“ und deren „Herz die größte Waffe“ sei. Während Christen Angst vor Missverständnissen haben, hören sich Millionen solche Zeilen an – völlig unverdächtig.

Die Gemeinde von Jesus steht in einem geistlichen Kampf. Das ist kein Kinderspiel. Es ist Ernst. Menschen gehen ohne Jesus Christus verloren. Und die Lüge beansprucht Raum. Am Ende bekennen wir, dass Jesus Sieger ist und vertrauen darauf. Auf seiner Seite stehen wir. Die Liebe ist die wirksamste Waffe – und das Gebet. Und wir bleiben bei der Wahrheit. Sie hat einen Namen: Jesus Christus. Und das darf unsere Sprache auch ruhig zum Ausdruck bringen.

6 Kommentare zu „political correctness in der Sprache

  1. Guter Punkt….ich denke, das Problem an der Ausdrucksweise ist, dass man sie in der öffentlichen Wahrnehmung missverstehen kann (will??). Unter einem „christlichen Gotteskrieger“ (um’s mal überspitzt zu formulieren) stellt man sich schnell einen Typen vor, der mit dem Sprengstoffgürtel um die Hüften durch muslimische Wohngegenden zieht. Analog eben zu den Selbstmordattentätern der Taliban. Und gar soweit hergeholt ist es ja nicht, wenn man sich anschaut, dass in den USA Abtreibungsgegner unter dem Deckmantel des Christentums Abtreibungs-Ärzte erschießen.

    Insofern muss man vermutlich sehr gut erklären, dass mit dem christlichen Kampf ganz andere Dinge gemeint sind.

    Silbermond darf das meiner Meinung nach problemlos machen – denn als Künstler hat man eine gewisse Narrenfreiheit.

    1. Genau – und gerade das möchte ich noch mal unterstreichen: man muss erklären. Dazu braucht es manchmal einen Satz mehr, einen Gedanken mehr. Wenn ich es richtig sehe, dann leben wir in einer Zeit, in der eher die ganz schnellen, die platten Slogans gesendet werden. Dass die gerne aufgenommen werden, ist selbstverständlich. Mir geht es nur darum, dagegen anzugehen. Das gilt für mich nicht nur in Bezug auf Christen. Es bezieht sich auf alle „Gruppen“. Hinhören, hinsehen, differenzieren, erklären und eine offene, respektvolle Sprache pflegen, das steht uns gut an.

  2. „Wir stehn im Kampfe Tag und Nacht . . . “
    Diese Debatte wurde vor etwa 30 Jahren schon einmal geführt. Damals durchforstete manche Gemeinde ihr Liedgut und verbannte alle Strophen, die nur irgendwie auf Kampf anspielten. Die Folge war – und ist – ein weichgespültes Evangelium.
    Jesus war nicht politisch korrekt und auch nie auf der Linie des herrschenden Klerus. Das hat ihn zuletzt das Leben gekostet. Er war ein Kämpfer, allerdings nicht gegen Menschen, sondern gegen ein System der menschenverachtenden und knechtenden Mächte, das erkannt und zerbrochen werden muss. Es ist eine schwer zu begreifende Tatsache, dass seine wirkungsvollste Waffe bis heute die Liebe ist. Liebe kann sehr wohl offensiv gelebt werden – mit unabsehbaren Folgen.

  3. Wir brauchen vielleicht hier und da eine neue kreative Sprache, die die Semantik der Bibel ernst nimmt, ohne um jeden Preis die Syntax zu verwenden, wenn sie im gesellschaftlichen Kontext missverständlich ist. Man muss ja nicht unbedingt von Christen als Gotteskrieger reden…;-) Kämpferisch darf es deswegen durchaus sein!! Oder aber: missverständliche Begriffe werden langfristig vernünftig gefüllt und man versucht, durch Predigten und Lehre zu prägen. Nur eins sollten wir nie tun: uns von der political correctness prägen lassen! Jesus ist der wandelnde Bruch derselben!

  4. Vielen Dank für diesen Beitrag, Ansgar. Ich stimme Dir zu. Eine Sprache, die alles zu nivellieren versucht, bleibt letztlich ohne Würze und ist kraftlos. Mein Eindruck ist, dass mit dieser political correctness auch die Furcht verbunden ist, als „intolerant“ bezeichnet zu werden. Damit hängt m.E. eine Wandlung des Toleranzbegriffes zusammen. Ich bin kürzlich auf einen guten Impuls dazu gestoßen. Der Autor sagt, dass wahre Toleranz das Prinzip war, das die Freiheit über Zwangsbekehrungen stellte, denn eine erzwungene Überzeugung ist gar keine Überzeugung. Demgegenüber steht heute eine Toleranz, die der Überzeugung ist, dass keine Überzeugung die Überlegenheit über eine andere beanspruchen darf. Mit einem solchen Toleranzbegriff würde man aber den Anspruch Jesu und den Stolperstein des Kreuzes aufheben.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: