Rücktritt Margot Käßmann

Bischöfin Dr. Margot Käßmann hat heute Nachmittag (24.2.10, 16.00 Uhr) den Rücktritt von ihren Ämtern in einer Pressekonferenz erklärt. Ich möchte an dieser Stelle meinen Respekt dafür aussprechen, dass sie diese Entscheidung getroffen und wie sie diese begründet hat. Ihr war klar, dass ihre Autorität beschädigt ist. Genau das ist der Fall und bei einer Fortführung ihrer Arbeit hätte der Fehltritt immer mitgeschwungen, auch wenn sie ihn bereut. Damit hat sie ein besseres Gespür für ihre Situation bewiesen als manche Ratgeber, die meinten, sie solle im Amt bleiben. Wir sind alle Sünder – ja. Aber es geht hier auch nicht um Vergebung oder Christsein. Es geht um die Anforderungen an Personen, die die Kirche leiten. Die sollte man nicht vorschnell über Bord werfen. Ich sage das als jemand, der selber ein Amt bekleidet, das, auch wenn es nicht mit dem von Frau Käßmann vergleichbar ist, dennoch vergleichbare Anforderungen an die Integrität der Person stellt und eine gewisse Öffentlichkeit mit sich bringt.

Öffentlichkeit und Stress stellen enorme Herausforderungen an die Integrität einer Person. Ich empfinde das immer wieder. Ich komme für mich zu der Schlussfolgerung, dass ich, wie jeder andere Mensch auch, Seelsorge und Unterstützung brauche. Dazu gehören auch kritische und liebevolle Begleiter. Dazu gehört die tägliche Erneuerung durch den Heiligen Geist. Dazu gehört für mich eine demütige Herzenshaltung vor Gott, weil ich weiß, dass ich nur durch ihn lebe und arbeiten kann. Und selbst diese Herzenshaltung muss ich, so schlimm ist es um mich bestellt, von Gott erbitten.

15 Kommentare zu „Rücktritt Margot Käßmann

  1. Hallo,
    ich respektiere den Schritt von Frau Dr. Käßmann auch. Dennoch macht er mich traurig. Für mich wäre es richtiger, zu Sünden (wie sie sich hier zeigt) öffentlich zu stehen und zwar unter ausdrücklichem Hinweis auf die Vergebung Gottes durch Jesu Kreuzestod und der Annahme dieser.
    Klar, wäre Käßmann dadurch angreifbar geblieben und möglicherweise ihre Autoirität eingeschränkt. Auf der anderen Seite fehlt uns in Deutschland eine positive Kultur des Umgangs mit Fehlern. Die öffentlich gezeigte Wohlanständigkeit derer, die hohe Ämter bekleiden ist doch oftmals (wie geschrieben) nur „gezeigt“. Für uns alle wäre es deshalb gut, Personen in hohen Ämtern zu kennen, die ihre Fehler aufrichtig vor Gott und Menschen bedauern- und dennoch im Amt zu verbleiben. Das würde Mut machen- und Gott dennoch die Ehre geben.

    Mit freundlichem Gruß

  2. Ich hätte mir gewünscht, dass man mit Frau Käßmann Vergebung und Wiederherstellung durchexerziert und nicht das „Loswerden“ einer gefallenen Person. Was für ein Druck lastet auf Hauptamtlichen und dieser Druck wird immer weiter durch mediale Beobachtung und genüssliche Zerpflückung beim Fall gefördert. Umso wichtiger wäre es, wenn man als Kirche den Druck aushält und hinter einer Person steht, der das passiert ist, was fast jedem einmal passiert ist oder zumindest sein könnte. So wächst eine Kultur der Angst und der Perfektion, die einen Prozess des Lernens durch Fehler nicht mehr ermöglicht.

    1. Also Christof, ich glaube nicht, dass es fast jedem passiert ist oder sein könnte, mit 1,54 Promille Auto zu fahren. Ich finde, dein Statement hat in gewissem Maße eine Bagatellisierung zur Grundlage. Und das andere: Das ist ja, was ich interessant finde und dein Kommentar bestätigt mir das: Margot Käßmann hat einen besseren Riecher für ihre Situation als viele um sie herum. Die Kirche wollte sie nicht loswerden!! Der Rat der EKD hat ihr das Vertrauen noch ausgesprochen. Sie geht trotzdem. Es geht ja nicht um Verurteilung ihrer Person. Es geht um eine bestimmte Funktion, um ein Amt. Es wurde auch nirgendwo medial genüsslich zerpflückt, was geschehen ist – habe ich zumindest nicht wahrgenommen. Die Medien war sehr nüchtern. Aber ein Mensch, der die Medien ständig sehr gut nutzt, der muss mit ihnen auch rechnen, wenn es schwierig wird.

    2. Ja, genau, vor allem den letzten Satz kann ich nur unterstreichen! Und deshalb sieht es so aus, als sei eine Chance vertan worden. Schade!

  3. Ich möchte Wegbegleiter Christof zustimmen. Vergebung und Wiederherstellung sind doch das Herz des christlichen Glaubens, egal in welcher „Position“ man sich befindet und egal wie „groß“ der Fehler, bzw. die Sünde war.

    Ich empfinde es außerdem als unerträglich, dass Theologen, die den Sühnetod Jesus Christi leugnen und Menschen in die Irre führen selbstverständlich in ihrem Amt bleiben dürfen, Margot Käßmann aber wegen einer einzigen Verfehlung zurücktreten muss. Wohin soll das Ganze führen, wie wird die Kirche auf diesem Weg „enden“?

  4. Hi Ansgar, ich rede hier keinem heftigen Alkoholkonsum das Wort, aber ein Leichtgewicht wie Frau Käßmann kann schon nach wenigen Glas Wein diesen Wert erreichen – trotzdem ist es natürlich schwachsinnig, dann Auto zu fahren, klar! Und wenn man in die BILD guckt, dann wird schon heftig skandalisiert. Neee, die Kirche will sie nicht loswerden – das sehe ich ähnlich, aber es scheint ja trotz allem keine gesellschaftliche Atmosphäre des Fehlermachendürfens zu herrschen, wenn sie zurücktritt. Unbestritten ist, dass sie durchaus selbst die Medien sehr gut einsetzt – und dann mit so etwas rechnen muss. Trotzdem schmerzt mich die Reaktion.

  5. Ich bin unendlich traurig….da war eine Frau in der Kirche mit einem Leben,
    einem Leben, dass uns einfach allen geschieht, geschehen kann…mit Brüchen, Fehlern,
    Krankheiten…das ganze Spektrum eben.
    Genau das machte sie glaubwürdig und liebenswert, zeigte, dass sie , wie wir auch,
    unterwegs ist.
    Na ja, wie gesagt,ich verstehe, aber ich bin sehr traurig
    Andrea Annelena

  6. Bin auch unendlich traurig und zerrissen. Aber alles hat seine Zeit. Sie hat enorm viel geschafft, den „Karren“ gezogen wie kaum ein anderer, nun darf sie das Zaumzeugs ENDLICH mal ablegen und etwas ausruhen. Denke es war eine Notbremse. Dass es auf diese Art und Weise passieren musste ist Hammer. Aber es war Gottes Entscheid, und er hat auch dafür gesorgt dass nichts Schlimmes passiert ist sondern sie jetzt etwas Zeit hat Luft zu holen. Würde mich jedenfalls freuen Frau Käßmann eines Tages an einer unserer Universitäten als Professorin begrüßen zu dürfen.

  7. Ich habe Frau Käßmann öfter mal kritisiert – was man im Ökumenischen Dialog ja auch darf. Trotzdem muss ich sagen, dass sie mir wirklich leid tat und dieser Abgang ihr nicht gerecht wurde.

  8. Ich verstehe auch nicht alle Facetten dessen,was da in Deutschland vorgefallen ist. Aber ich glaube,daß der Rücktritt keine Tragödie ist, weil Frau Käßmann auf diese Weise sie selber bleiben konnte. Solche Menschen brauchen wir heute mehr als je.

  9. Ich bin gespannt ob durch ihren Rücktritt auch endlich andere Amtsträger und gerade Politiker ihre „Fehltritte“ anders und vor allem ehrlich bewerten – vielleicht ist ja jetzt endlich Schluss mit totschweigen und freikaufen. Margot Käßmann hat die Messlatte für alle in der Öffentlichkeit stehenden Personen ganz schön hochgesetzt.

  10. Ich kann mich Deinem Kommentar ganz anschließen, Gerhard & möchte sogar noch ein bißchen weiterspinnen. Wenn die persönliche Entscheidung von Frau Käßmann Gottes Reden für Sie war & Sie nur gehorsam & demütig Gottes Willen akzeptiert, dann wird unser HERR was ganz Besonderes daraus machen. Seine Wege sind nicht unsere Wege! Das hat sicher jeder einzelne von uns schon zig-mal erfahren dürfen. Ich bin sehr sicher, dass hiermit (durch die getroffene Entscheidung von Frau Käßmann) allen weiteren Anfechtungen auf allen Ebenen ein Garaus gemacht wurde. Sieger ist im Grunde Frau Käßmann & die Zukunft, die wieder neu offfen & frei gestaltet werden kann. Mit Gottes Hilfe, auf die ich lerne immer mehr zu setzen & zu vertrauen, wird daraus was WUNDERBARES Anderes ent(er)stehen! Haben wir das nicht schon an Ostern erfahren?
    & außerdem glaube ich, dass Frau Käßmann auch da wo jetzt ihr Wirkungsort ist großes weiter tun wird. Jeder sollte an dem Platz, der ihm zugeteilt wurde sein Bestes geben. & das wird Sie sicher tun!!

  11. Rolf
    Im Grunde kann ich alle Stellungnahmen verstehen und meistens denke ich auch
    ähnlich . Für mich ist aber noch ein weiterer Aspekt wichtig, nämlich daß eine
    geschiedene Frau weiter Bischöffin bleibt und sich sogar zur Ratsvorsitzenden
    wählen läßt. Zwar hat sie das alles sehr offen diskutieren und in Frage
    stellen lassen . Sie kann ja auch völlig schuldlos geschieden sein.
    Nach biblischem Verständnis wäre aber aufgrund dieses Vorgangs eine
    solche Position nicht mehr einnehmbar , meines Erachtens.
    Daß sie sich durch das Vergehen im Straßenverkehr stärker gehemmt sieht
    klare Positionen zu vertreten in Politik usw.als durch ihre Scheidung das stimmt mich traurig. Aber vielleicht wird das gerade durch den Rücktritt jetzt in der
    Kirche ein wenig zurechtgerückt: Durch Gottes langem Arm

  12. Natürlich können allen Menschen alle möglichen Fehler und Sünden passieren und ebenso sind die alle – auch die ganz großen – vergebbar. Von Jesu Seite aus steht da auch nichts mehr aus.
    Die Frage, vor der Frau Käßmann stand, ist aber eine ganz andere. Ob nämlich aus einem bestimmten Fehlverhalten ein Licht auf eine Person fällt, oder Rückschlüsse auf die Person gezogen werden können, die mit dem Amt, welches die Person begleitet, unvereinbar sind.
    Und die Antwort auf diese Frage fällt hier dem halbwegs Sachkundigen leicht:
    Wenn man sich mit 1,54 Promille ans Steuer setzt, dann, dann bedeutet das, dass man sich mit ziemlicher Sicherheit bereits durch recht regelmäßigen Alkoholkonsum eine nicht geringe Alkoholtoleranz „antrainiert“ hat, denn man hat sich ja offenbar selbst noch für fahrtauglich gehalten.
    Deshalb wird von den Führerscheinstellen auch bei Ersttätern ab 1,65 Promille die Vorlage eines medizinisch-psychologischen Gutachtens verlangt, bevor jemand die Fahrerlaubnis wiederbekommt, da in diesen Größenordnungen der Verdacht sehr nahe liegt, dass es sich nicht um einen trinkenden Fahrer, sondern um einen fahrenden Trinker handelt. Von dieser offiziellen Vermutung war Frau Käßmann tatsächlich nur noch ein halbes Weinglas voll entfernt. Ein geringes Körpergewicht ändert das nicht. Alkohol verteilt sich in der Körpermasse (außer in den Knochen und in Fett) sehr gleichmäßig. Und was im Gehirn wirkt ist die Alkoholkonzentration. Das bedeutet, dass die 50-kg-Frau von einer Flasche Bier so viel spürt, wie der 100-kg-Mann von zweien, wenn beide gleich trinkgewohnt sind. Und konkret müsste die 50-kg-Frau, um auf 1,54 Promille zu kommen, ca. 60 Gramm reinen Alkohol zu sich nehmen, was ungefähr einer Flasche Wein a 0,7 L entspricht, wenn die Flasche praktisch auf einen Zug geleert worden wäre. Wenn die Alkoholaufnahme sich über einen längeren Zeitraum erstreckte, kommt pro Stunde noch ungefähr 2/3 Weinglas dazu.
    Der Gedanke drängt sich doch auf: Wer nach einem netten Abend und dem Konsum von deutlich über einer Flasche Wein sich noch bedenkenlos ins Auto setzt, könnte ein vertitables Problem im Umgang mit Alkohol haben.
    Auch das kann unter Menschen leicht vorkommen und kirchliche Würdenträgen sind da sicher nicht weniger gefährdet als andere Menschen.
    Und angesichts der sich daraus ergebenden weiteren Fragen ist ein Rücktritt, um die auf solche Weise problembehaftet gewordene Person von dem Amt zu entkoppeln, doch nur konsequent.
    Ich wünsche Frau Käßmann wirklich alles Gute. Möge sie die ihr zur Verfügung stehende Zeit gut nutzen. Und mögen andere Verantwortliche genügend enge Freunde und Familienangehörige haben, die in ihr Leben Einblick nehmen und rechtzeitig auch warnenden Rat geben dürfen.

  13. Naja, Fehltritte sind, was sie sind. Tritte, die fehlgehen. Die passieren ständig und jederzeit. Ich glaube nicht, dass Frau Käßmann ein Problem mit Alkohol hat. 1,5 Promille, das sind vier Gläser Wein. Das kann schon mal im Laufe eines geselligen Abends passieren. Vielleicht ist die Fehlentscheidung, dann noch zu fahren, das Problem. Aber auch kein schwer wiegendes.

    Was ich sagen will: Die SAche ist vom Tisch. Frau Käßmann hat Konsequenzen gezogen- strenge gegen sich selbst, strengere als andere das von ihr erwartet hätten. Damit hat sie Maßstäbe gesetzt und viele so genannte Verantwortliche könnte sich davon ne Scheibe abschneiden. Bloß, dann säße keiner mehr auf seinem Posten.

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