Polen in Trauer

Ein Flugzeug, bis oben besetzt mit hochrangigen Politikern Polens, inklusive des Präsidenten Lech Kaczynski, stürzt heute morgen in den Wäldern von Smolensk/Russland ab. Alle Insassen sterben. Was für ein Schock für unsere Nachbarn. Was für ein Schock für uns. Theoretisch weiß jeder, dass der aktuelle Tag der letzte seines Lebens sein kann. Aber wenn es dann so kommt…!

Egal ob ich mit den Verlautbarungen des Präsidenten in den letzten Jahren einverstanden war oder nicht: ich bin bestürzt. Die Lage im Land treibt mich um. Zwei der Präsidentschaftskandidaten für die Wahl, die im Herbst stattfinden sollte (und nun innerhalb von zwei Monaten durchgeführt werden muss), sind tot: L. Kaczynski und ein Gegenkandidat, der ebenfalls in der Maschine saß.

Der polnische Bund Freier evangelischer Gemeinden, mit dem wir seit Jahren gute Beziehungen pflegen, lebt und baut inmitten dieser Situation Gemeinde. Ich habe dem Präsidenten des Bundes, Tadeusz Tolwinski, eine Beileidsmail geschrieben. Ich finde: wir sollen für unsere Nachbarn beten. Uns verbindet eine zum Teil schlimme Geschichte, uns verbindet eine gemeinsame Grenze, uns verbinden viele Beziehungen. Nun sollen wir uns verbinden im Gebet und in Bekundungen unseres Beileids, wenn es sich ergibt.

5 Kommentare zu „Polen in Trauer

  1. HM…interessant was so viele Menschen schreiben, aber ich denke egal was wir über unsere Nachbarn denken, welche Vorurteile und historische „Gedanken“ wir so in unserem Lande hegen- viele Menschen sind gewaltsam zu Tode gekommen- Mütter-Väter-„Kinder“. Da ist doch eigentlich kein Platz für ein „politisches“ Spektakel- Trauer,Betroffenheit und Mitgefühl mit den Angehörigen wäre da doch viel angebrachter…ODER NICHT?

  2. Der Pilot Kaczynskis handelte möglicherweise “auf fremde Weisung”

    In Polen wird nicht ausgeschlossen, dass der Pilot Kaczynskis “auf fremde Weisung gehandelt hat”.
    Der Pilot des Präsidentenfliegers von Lech Kaczynski, der am Samstag verunglückt ist, kann “auf fremde Weisung gehandelt haben”.
    Dies hat der frühere polnische Präsident Lech Walesa erklärt, so die russische Nachrichtenagentur (vesti.ru). Laut ihm sind die Piloten der Regierungscrew Fachleute höchster Qualifikation. Deswegen ist es eher unwahrscheinlich, dass der Pilot selbständig einige Male nacheinander versucht hat, den Flieger bei dichtem Nebel zu landen.

    mehr: http://theolounge.wordpress.com/2010/04/11/der-pilot-kaczynskis-handelte-moglicherweise-auf-fremde-weisung/

  3. Ein paar Tage vor Ostern sprach ich mit einem Freund über Katyn. Er arbeitet gerade an einem Bühnenstück darüber. Halb ernst fragte ich ihn, ob ich mir um ihn Sorgen machen muss, denn Katyn ist ein gespenstischer Ort. Er lachte. Als ich am Samstag Abend eine Nachricht von ihm erhielt, war ich erleichtert. Es war nicht sein letztes Lachen.

    Katyn. Es ist ein verfluchter Ort – sagte der ehemaliger polnischer Präsident Kwasniewski. Allein der Klang des Namens erinnert eindringlich an den Begriff Henker. Wie anders soll man diejenigen bezeichnen, die im Frühling 1940 über 20 000 polnischer Offiziere mit einen Schuß in den HInterkopf ermordet haben. Doch sie waren nur ausführende Kräfte, der Befehl kam direkt vom Kreml.
    1943 erfuhr die polnische Exilregierung in England von dem Massaker. Wladyslaw Sikorski, der Oberbefehlshaber der polnischen Armee, forderte von Stalin die Aufklärung des Verbrechens. Einige Wochen später starb er bei einen Flugzeugabsturz. Die Ermittlungsakten befinden sich unter Verschluß.

    Katyn. Die größte Lüge der Geschichte, eine Lüge, die die Fundamente der Volkasrepublik Polen bildete. Jeder wußte davon, doch das Reden darüber wurde mit dem Tod bestraft. Ein dunkles Geheimnis, das nur flüsternd weitergegeben wurde.

    Katyn, 70 Jahre später. 800 Menschen warten an den Gräbern an die Ankuft des Präsidentenflugzeugs mit sämtlichen Ehrengästen um der Opfer der NKWD zu gedenken. Doch statt der Gedenkfeier findet eine Todesmesse statt. Im dichten Nebel stürzt das Flugzeug ab, es gibt keine Überlebenden dieser Katastrophe.
    Das Bemühen um Aufklärung und Anerkennung des Verbrechens von Katyn war eines der Hauptanliegen des Präsidenten Lech Kaczynski. Am 10. April 2010 hat die ganze Welt tatsächlich von Katyn erfahren, doch der Preis dafür war sehr hoch. Es war hoffentlich das letzte Gekicher Stalins.

    Ich sehe keinen kausalen Zusammenhang zwischen dem Nachdruck, mit dem Kaczynski das Thema Katyn verfolgte und der Flugzeugkatastrophe. Aber für mich ist ein symbolischer Zusammenhang da. Ebenso wie die Tatsache, dass zu den Passagieren den Unglücksfluzeugs der letzte Präsident der polnischen Exilregierung in London gehörte, die das Erbe der 2. Republik über die kommunistische Zeit hinweg retten sollte. Ein Kapitel der Geschichte ist zu Ende gegangen und vielleicht kann die verfluchte Erde von Katyn zu einem Ort der Versöhnung werden.

    Die russische Bevölkerung verhält sich vorbildlich. In Polen mehren sich Stimmen, die dazu aufrufen, die Welle des spontanes Mitgefühls seitens Russland dazu zu nutzen, um die polnisch-russische Beziehungen auf ein neues, stabiles Fundament zu stellen. Es liegt an uns, dem tragischen Tod eine Bedeutung zu verleihen.

  4. Pingback: Nicks24.de

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: