Von Badstuber bis Boateng

„Alles fließt“ sagten die alten Griechen. Wir sagen dazu heute: „Das einzige was bleibt ist, dass sich alles ändert“. Ich weiß oft nicht, ob ich das gut oder schlecht finden soll. Das hängt wohl auch von meiner aktuellen Stimmungslage ab.

Eine interessante Veränderung konnten wir während der Fußballweltmeisterschaft beobachten. Und zwar die Zusammensetzung der deutschen Equipe. Es war schon immer so, dass Spieler die Staatsbürgerschaft des Landes haben müssen, für das sie spielen. Als ich mich in den 70er Jahren anfing für Fußball zu interessieren, da waren die Namen typisch deutsch: Müller, Schwarzenbeck, Beckenbauer. Etwas fremd mag der Name Grabowski geklungen haben. Er wies ein wenig in östliche Richtung aber wurde als „deutsch“ registriert. Heute ist alles anders. Neben Badstuber, Schweinsteiger und Mertesacker,  spielen Boateng, Kedhira, Gomez, Özil, Aogo und Taszi. Das klingt wie die Menuekarte eines internationalen Restaurants.

Und es spiegelt eine umfassende Veränderung unserer Gesellschaft wider. Schon 2006 lebten 15,1 Millionen (= ca 19%) Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland. Davon hatten die Hälfte, also ca 7,5 Millionen, die deutsche Staatsangehörigkeit. Ein Drittel aller Kinder unter 5 Jahren haben Migrationshintergrund (2008) (quelle: wikipedia).

Das sperrige Wort „Migrationshintergrund“ ist der Tatsache geschuldet, dass viele Menschen zwar aus dem Ausland kommen oder dort ihre Wurzeln haben, aber keine Ausländer sondern Deutsche sind. Wer übrigens aus welchen Gründen auch immer vor zu viel „Vermischung“ warnt der sollte wissen: es wurde immer reichlich gemischt. So lange sich diese Erde dreht.

Da es in Zukunft – so wie es aussieht – immer weniger Kinder aus angestammt deutschen Familien geben wird, wird eine Zuwanderung in den nächsten 30-50 Jahren sogar notwendig sein, damit unser Land, inklusive des Sozialsystems, überhaupt funktioniert. Das wird Veränderungen mitbringen, die wir uns heute kaum vorstellen können. Moscheen werden eröffnet, die kulturelle Vielfalt in der Nachbarschaft wird größer, die arabischen Gewürze im Supermarkt eine Selbstverständlichkeit.

Dabei brauchen wir die „typisch deutschen“ Tugenden gar nicht zu verleugnen: Pünktlichkeit, Qualität, Kampfeswille, Verlässlichkeit. Viele beneiden uns darum – und wissen oft nicht, dass da auch nicht alles gold ist, was glänzt. Der neue Bundespräsident Deutschlands, Christian Wulff, hat in seiner Antrittsrede eine interessante Richtung gewiesen. Er meinte, wir sollten weniger danach fragen, woher einer kommt, als vielmehr danach, wo er hin will.

Alles verändert sich. Das wird so weitergehen. Es war auch in der Vergangenheit so. Aber Jesus Christus bleibt. In ihm wird mein Herz fest. Mit ihm kann ich Veränderungen ganz anders betrachten. Plötzlich wird das, was mich noch gestern bedrohte, zu einem Reichtum.

Als Christen sollen wir nicht Besitzstand wahren oder Mauern hochziehen. Wir sollen uns schon jetzt darauf einstellen, dass wir im Himmel eine Schar aus allen Nationen, Sprachen und Volksgruppen sein werden um Gott zu loben und Jesus Christus anzubeten. Wir sollen sein, wer wir sind, und den lieben, der unseren Weg kreuzt.

Ein Kommentar zu “Von Badstuber bis Boateng

  1. Wullfs Rede habe ich nicht gehört, aber mir gefällt die Aussage: „Wir sollten weniger danach fragen, woher einer kommt, als vielmehr danach, wo er hin will.“

    Genau das ist unser Problem. Ich hatte am letzten Wochenend eine Diskussion mit meiner Mutter. Ich bat sie das Wort „Ausländer“ zu definieren. Ich bin darauf gekommen, weil wir in unserem Zug (ich bin gerade bei der Bundeswehr) mehrere Russen haben. Aber eigentlich sind das ja keine Russen, sondern Deutsche sonst wären sie ja nicht in der Bundeswehr.

    Wir gehen leider viel zu oft davon aus das jemand Ausländer ist nur weil er anders aussieht. Aber vielleicht trägt auch dieser Mensch einen deutschen Pass bei sich -> sollte man ihn dann nicht auch wie einen Deutschen behandeln? (Die Frage: „Wie man einen Deutschen behandelt? “ ist einfach zu beantworten: Wie jeden anderen Menschen auch!)

    Deshalb überlege ich ab sofort zwei mal wie ich mit jemanden rede bzw. was für ein Vorurteil ich diesmal mit mir rumschleppe.

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