Aua

Er hat einen schlechten Ruf. Dabei ist er ein echter Lebensretter. Ich spreche nicht von einer Person. Ich spreche vom Schmerz. Neulich habe ich mir eine schmerzhafte und wunde Ferse gelaufen. Hätte es keinen Schmerz gegeben, wäre ich zwar munter weitergelaufen, die Ferse wäre aber auf Dauer nicht mehr einsatzfähig gewesen. Der Schmerz sagt mir: da stimmt was nicht. Auch die Seele hat Schmerzen und sagt uns: da ist was nicht in Ordnung. Schau lieber mal nach. Jeder Mensch, der liebt, wird dabei auch Schmerzen erleben, denn der geliebte Mensch ist einem wichtig. Sein Schicksal, sein Wohlergehen wird mich selber anrühren und manchmal auch schmerzen.

In einer Zeit, in der wir Schmerzen vermeiden, brauchen wir ab und zu ein Loblied auf den Schmerz, denn  er zeigt uns, dass wir noch leben. Er zeigt uns, worauf wir achten sollen, welchen Punkt unseres Körpers oder unseres Lebens wir mehr Beachtung schenken sollen.

Ich rede natürlich nicht der Schmerzverliebtheit das Wort, nach dem Motto: nur was schmerzt ist auch gut. Es geht nicht um den Schmerz, sondern um das Leben. Und ich danke Gott genauso für die Palliativmedizin, die Menschen unter Dauerschmerzen leiden, wirkungsvoll hilft. Wofür ich plädiere ist, dass wir uns zwischendurch Schmerzen leisten und sie nicht schnell betäuben, wegschieben oder verleugnen.

Es schmerzt mich (unter vielem anderen)

  • erbitterten Streit unter Christen zu sehen weil einzelne ihre Macht und Rechthaberei pflegen.
  • dass immer mehr Geschwister und oft auch tragende Mitarbeiter in ein burn-out geraten.
  • wenn ich Millionen loveparader mit der Sehnsucht nach Leben und Liebe sehe und sie auf dem Weg dahin zerquetscht und zerschunden werden.
  • Menschen ohne Christus zu sehen, ob nun offensichtlich auf der Suche danach oder nur versteckt.
  • wenn Kinder (incl. Lärm, Einschränkungen und Kosten) als Problem statt als Geschenk gesehen werden, wie es in Deutschland leider immer wieder der Fall ist.
  • aber auch, wenn Tiere in unserer Gesellschaft unter für sie unwürdigen Verhältnissen gehalten und getötet werden, damit wir unsere billiges Fleisch haben.
  • wenn die Flut an Informationen und Anforderungen liebe Mitmenschen unfähig macht, überhaupt noch zu reagieren.

Jesus jammerte, es schmerzte ihn, er war „innerlich bewegt“, sein Volk wie Schafe ohne Hirten zu sehen, verloren, ohne Orientierung und ausgeliefert (Markus 6,34). Dieser Schmerz zeigt ein Problem an. Und weil Jesus sein Volk liebt, geht er nicht daran vorbei sondern leidet darunter.

Soll ich Schmerz vermeiden? Soll ich ihn betäuben? Ich täte es manchmal gerne, aber dann würde ich mich verraten. Ich würde aufhören zu leben. Ich würde mich nicht mehr auf die Suche nach den Ursachen begeben. Der Schmerz motiviert mich, Lösungen zu finden. Das Leid weckt in mir Leidenschaft etwas zu tun. Deswegen darf es keine Betäubung geben.

Und erst wenn ich gelitten habe, kann ich alles auf Gott abwälzen, meine Last auf ihn werfen, auf den, der alle Schmerzen getragen hat, und wieder fröhlich werden. Erst wenn ich die Ursache für den Schmerz gefunden und etwas dagegen unternommen habe, kann ich weitergehen.

Wir sollten den Schmerz ab und zu willkommen heißen, ihm zuhören und etwas tun.

4 Kommentare zu „Aua

  1. wenn Kinder (incl. Lärm, Einschränkungen und Kosten) als Problem statt als Geschenk gesehen werden, wie es in Deutschland leider immer wieder der Fall ist.

    ^^ Das fängt in der Gemeinde schon an und zieht sich von den Kindern, über die Teenager bis zu den Jugendlichen. Ihr Glaube ist noch nicht reif, haben keine eigene Meinung und sie kommen in Godi`s kaum vor. Höchstens, wenn sie selber was für sich im Godi machen(was aber auch gut ist)! Wir sollen so sein wie die Kinder….!
    gruss

  2. Wow!!! Danke Ansgar!!!
    Ich erlebe es gerade sehr arg in meinem Umfeld…burn-out, Probleme mit dem Leben, Probleme mit sich selber etc. Das geht natürlich auch an mir nicht spurlos vorbei…man macht sich Gedanken…man sucht innerlich Lösungen…finden keine…und muss damit klar kommen. Das schmerzt wirklich und ich bin jedesmal dankbar, dass ich in meinen einsamen Stunden, in denen jeder mit seinen eigenen Problemen beschäftigt zu sein schein, mit jemandem reden kann, der sogar meine Gedanken kennt. Es tut gut zu wissen, dass es da jemanden gibt. So werden meine Schmerzen wieder weniger und ich kann neuen Mutes vorwärts gehen.
    Sei gesegnet Ansgar und alle, die das auch beschäftigt!

  3. Es schmerzt mich (unter vielem anderen):

    * Das immer mehr Geschwister und oft auch tragende Mitarbeiter in ein burn-out geraten, Gemeinden sich aber unglaublich schwer damit tun, umzudenken und neue Wege zu gehen.

    * wenn ich Millionen loveparader mit der Sehnsucht nach Leben und Liebe sehe und sie auf dem Weg dahin zerquetscht und zerschunden werden, und in all den Debatten, Kranzniederlegungen, Trauermärschen und der Betroffenheit der Bevölkerung ist von den örtlichen Gemeinden so unglaublich wenig zu sehen.

    Es schmerzt mich, dass so dermaßen viel geredet wird, vor allem von den Kanzeln, aber im Alltag kommt so wenig dabei rum.

    Es gibt auch den dröhnenden Kopfschmerz dessen, der ewig vor Wände läuft.
    Und nach dem Schmerz, der alarmiert, kommt der Schmerz der zerfrisst.

    PS: Ansgar, ich finde es toll, dass du bloggst (und auch, was du bloggst!). Leider ist die aktive Nutzung neuer Medien vielen unserer Mitgeschwister noch so unglaublich fremd.

  4. Normalerweise ist die erste Antwort auf Leid, egal wen es wo warum betrifft: Selbst schuld!
    Dann stellen sich Herr oder Frau Abgklärt hin und können ewig über die Eigenverantwortung der Leid-tragenden dozieren.
    Es ist mutmachend mal umgekehrt zu lesen: Das geht mir nah! Der Schmerz der Anderen betrifft auch mich.
    Danke.

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