Koranverbrennung 2

Der Tag danach. Noch etwas verkatert bin ich froh, dass es nicht zur Koranverbrennung kam. Aber zugleich bin ich unruhig. Unruhig darüber, dass eine Aktion einer Minigemeinde solch eine Aufmerksamkeit in der Welt, auch bei mir, erlangen konnte. Wenn es keine Medien, keine Videos, kein Internet gäbe, hätte es keinen interessiert. Wenn diese Aktion einfach ignoriert worden wäre, hätte sich keiner aufgeregt. Die vernetzte Welt strengt uns an.

In der ganzen Diskussion ist mir noch mal aufgefallen, wie sehr wir von „der islamischen Welt“ oder „der christlichen Welt“ oder „der westlichen Welt“ sprechen. Es gibt auch andere grobe Kategorien, die uns manchmal im Wege stehen, genauer, differenzierter, manchmal kritischer und manchmal barmherziger hinzusehen. „Die Wessis“, „die Ossis“, „Afrika“, „die Kirche“ usw.. Ich weiß, dass wir manchmal diese Schubladen brauchen. Es ist nicht so, dass ich das nicht auch täte. Aber Achtung: darin steckt schon der Kern unzulässiger Vereinfachung von komplexen Abläufen und Zusammenhängen.

Ansonsten: schönen Tag noch.

5 Kommentare zu „Koranverbrennung 2

  1. Interessant. Mein erster Gedanke, als ich von der Koranverbrennung hörte, war genau dieser: Warum bläht man das so auf? Warum geht das nicht einfach unter in Menge von Medienberichten, wie so vieles andere, z. B. dieser CNN-Bericht über die VERBRENNUNG VON BIBELN:
    „Military personnel threw away, and ultimately burned, confiscated Bibles that were printed in the two most common Afghan languages amid concern they would be used to try to convert Afghans …“
    Link: http://edition.cnn.com/2009/WORLD/asiapcf/05/20/us.military.bibles.burned/

    Oder erinnert sich noch jemand daran, dass 2007 in einer Fernsehsendung über „christliche Fundamentalisten“ eine brennende Bibel gezeigt wurde? Gab es da irgendeine Reaktion, die nur annähernd so ausfiel wie die jetzige?

    Was hat das zu bedeuten???

    1. Eine Erfahrung mit der Schublade „islamische Welt“ ist sicher, dass dort Verbrennungen von Fahnen schon nichts besonderes mehr sind. Die Verbrennung einer amerikanischen Flagge etwa bricht sicher vielen patriotischen US-Amerikanern nahezu das Herz. Doch dieser Vorgang gehört in einigen Ländern zum guten Ton und mit der Häufigkeit sinkt der Nachrichtenwert von Verbrennungsritualen. Vergleichbares in „der westlichen Welt“ ist eben neu und eine Meldung wert.

  2. Ich habe auch nicht verstanden, warum diese geplante Aktion so ein medialer „Selbstläufer“ geworden ist. Eine Gruppe von fünfzig Leuten …
    Bei dieser großen Menge von Nachrichten und Informationen stellt sich immer wieder die Frage, wie das Wichtige vom Unwichtigen zu unterscheiden und seine Energien auf das Wesentliche zu konzentrieren.

  3. Für manche Japaner passte Terry Jones einfach toll in das Schema der(nach ihren Gefühlen) in religiösen Dingen zu intoleranten „Amerikaner“ bzw Christen. Ich selber merke je länger je mehr,daß das was Gott tut,oft nicht in Schablonen und Definitionen zu fassen ist. Ich bemühe mich darum, die kleinen Dinge zu sehen,die Gott im Verborgenen tut, und den Weg unsern Herrn zu finden,der das zerbrochene Schilfrohr nicht abbricht und den glimmenden Docht nicht auslöscht, der in zerbrochenen Herzen seine Wohnung macht.

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