Adventszeit ist Wartezeit

Herzlich Willkommen in der Adventszeit. Für viele ist sie nicht mehr als eine verlängerte Weihnachtszeit, ein Weihnachten „light“, eine Vorbereitungsphase mit Plätzchen, Kerzen und Einkäufen für den großen Tag. Für viele kreuzt der Weihnachtsmann als Nikolaus am 6.Dezember das erste Mal den Terminkalender und wer kann die beiden schon auseinanderhalten? Erst 1, dann 2, dann 3, dann 4, dann steht das Christkind vor der Tür! So wird alles zu einer Einheitsbrühe. Lebkuchen im September und Weihnachtsdekoration im Oktober tun ihr Übriges dazu.

Advent – das heißt „Ankunft“. Dabei geht es um die Wiederkunft Jesu – nicht sein erstes Kommen vor 2000 Jahren. Er kommt wieder, erlöst die Gemeinde und alle Kreatur, schafft einen neuen Himmel und eine neue Erde und es beginnt eine ganz neue Zeit. Gott wird Gericht halten. Alle Ungerechtigkeit wird beendet. Alles Leid, alle schmerzhaften Fragen, die ich nicht gelöst bekomme, werden dann beantwortet oder unwichtig sein. Trauer, Schmerz und Tod werden beendet, Satan endgültig besiegt.

Glaub ich das eigentlich wirklich? Ja, ich glaube es. Glaube ich es genügend? Vielleicht nicht.

Höre ich Christen aus Ländern, in denen sie verfolgt, benachteiligt oder sogar getötet werden, weil sie Christen sind, dann spüre ich ein viel größeres Verlangen, dass Jesus wiederkommt. Man muss sie nicht daran erinnern. Sie warten sehnsüchtig auf ihn. Das ist ganz natürlich. Dasselbe gilt für kranke Menschen, die sich nur noch nach Erlösung sehnen oder andere, die einfach keine Perspektive mehr finden, mutlos sind oder die unter Schicksalsschlägen leiden. Ich bin ich leidenschaftlicher Verfechter eines Glaubens, der bitteschön hier auf der Erde gelebt wird, solange sie noch existiert und wir leben. Die Erde ist kein „Transitraum“, wie es manche meinen und wofür wir Christen manchmal kritisiert werden. Aber dennoch: es geht uns gut versorgten, manchmal überversorgten und ganz im Diesseits lebenden Christen wohl oft zu gut. Wir sollen das Warten lernen. Weil das Warten nämlich schon so lange dauert, muss es wach gehalten werden. Das ältere Wort „harren“ drückt es treffend aus. Denn wer harrt, der ist gedanklich ganz bei dem, auf das er wartet.

Ich freue mich auf Jesus. Doch, ich sehne diesen Zeitpunkt herbei. Vor allem dann, wenn die Schauernachrichten überhand und die novembergrauen Tage kein Ende nehmen wollen, wenn immer nur mehr Probleme und Aufgaben dazu kommen, aber sich nichts löst. Dann bete ich: Jesus komm! Ich will lernen auf ihn zu warten. Und ich will es auch in Solidarität mit Tausenden von Christen tun, die keine andere Chance mehr sehen, aus ihrem Leid herauszufinden, als dass Jesus mächtig und welterneuernd eingreift. Ich will es in Gemeinschaft mit denen tun, die ihre Perspektive verloren haben, aus welchem Grund auch immer. Mit ihnen will ich, auch wenn es ein wenig quer zu unserer normalen Frömmigkeit steht, beten: Jesus, komm bald!

Ein Kommentar zu “Adventszeit ist Wartezeit

  1. Da sprichst Du eine Sache an,die mir je älter ich werde,desto mehr aufstößt. Obwohl wir Christen auf ein Ziel hin leben,suggeriert uns das „Kirchenjahr“ ein,wir würden uns im Kreis drehen. Das passt doch eigentlich gar nicht zusammen. Der Herr hat seinen Jüngern gesagt „Je mehr ihr Anzeichen des Endes seht,desto mehr habt ihr Grund, euch zu freuen. Freut euch,weil eure Erlösung näher kommt!“ Aber wir tun so,als sei das Ende das Schlimmste,was uns überhaupt geschehen könnte.
    Für die Freunde Hiobs war er ein Ärgernis,weil er mit seinem Leiden,für das sie keine logische Erklärung finden konnten,ihren Glauben in Frage stellte. Aber wenn wir vom Kommen Christi als dem Ziel aller Dinge her denken, brauchen wir die Augen nicht länger vor der Wirklichkeit verschliessen. Von daher bekommt alles seinen Sinn.

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