Der Hundertjährige

Im Sommer habe ich es auch getan, wie eine Million andere Deutsche: Ich habe das Buch „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ gelesen. Ich hing ich in der Hängematte und kicherte immer wieder vor mich hin. Es ist schwer zu beschreiben, was da fabriziert, gesponnen und inzwischen in 30 Ländern verbreitet wird. Es ist ein lustiges, ein abenteuerlich lustiges Buch. Ein Rezensent sagt, es habe die Botschaft „Wer wagt gewinnt – und das auch noch im hohen Alter“ – ein echtes Kaufargument in einer alternden Gesellschaft. Hat es mir vielleicht deswegen auch gut gefallen? Wahrscheinlich trifft die Ablehnung jeder politischen oder weltanschaulichen bzw. religiösen Festlegung des alten Mannes (Allan Karlson) den Nerv der Zeit.

Ein Erfolgsgrund liegt für mich darin, dass uns hier ein Mensch präsentiert wird, der sich in seinem Leben extrem wenig Sorgen um den nächsten Tag macht und ohne durchgeplante Strategie schwierigste Situationen meistert.  Ein Mensch, der  mit Leichtigkeit durchs Leben geht. Er gewinnt und er verliert und stellt keine großen Ansprüche.

Man mag ihn, den alten Protagonisten des Romans, weil er so herrlich unbedarft ist. Man weiß: es ist nur eine verrückte Story, ein modernes Märchen, aber man projiziert seine Erwartung nach Leichtigkeit und Sorglosigkeit in ihn hinein. Und das tat der Autor, Jonas Jonasson wohl auch, denn er hat ein bewegtes Leben mit Burn-out, Scheidung, Rosenkrieg und Streit um das Sorgerecht für das Kind hinter sich, als er den Roman schrieb.

Manche empfinden ihren Alltag wie eine Mühle, in der sie zermalmt werden,  fühlen sich unter Druck und überfordert. Wir wissen, dass Stress und Druck zum Leben gehören und auch gar nicht schlecht sind. Aber wir brauchen Luft zum Atmen, wollen nicht erdrückt werden und sehnen uns danach, ein wenig so zu sein wie dieser Hundertjährige.

Jesus sagt: „So seid nun nicht besorgt“ (Mt. 6,31). Angesichts von Kriegsgeschrei und anderen Katastrophen sagt er: „Erschreckt nicht“ (Mt. 24,6). Und Petrus rät: „Werft all eure Sorge auf ihn (Gott), denn er sorgt für euch.“ (1.Petr. 5,7). Diese Worte von Jesus  haben ihren Grund darin, dass  Er König und Herr ist, sein Reich baut und Ihn nichts und niemand erschüttern kann. Wer ihm gehört, empfängt etwas von der Sorglosigkeit, die Kinder (oder Hundertjährige) haben.

 

Ein Kommentar zu “Der Hundertjährige

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