Langsamkeit II

15 08 2011

Ich melde mich wieder online. Der Urlaub war tatsächlich eine gute Erfahrung in Sachen „Langsamkeit“. Das tat gut. Schon nach wenigen Tagen war mein Lebenstempo gedrosselt. Ich ahne, dass es nun im Alltag wieder anders geht, wenn ich in der Realität, die nun einmal schnelllebig ist, bleiben will. Auf das Maß wird es dann wohl ankommen. Aber ob schnell oder langsam, ob im rasanten Tempo industrieller Länder oder im gemäßigten Tempo anderer Kulturen, das Thema, auf das es ankommt, ist ein ganz anderes und ist eine Person: Jesus Christus. Ich hatte gestern die Gelegenheit an einer Feier teilzunehmen, bei der ein Pastor nach 40 Dienstjahren in den Ruhestand verabschiedet wurde. Was war sein Thema gewesen? Jesus Christus! Und weil das sein zentrales Thema war, wurde er nicht müde, auch wenn mancher Tag übervoll war und es in seinem Berufsleben nicht langsam vonstatten ging. Mir fiel vor einigen Monaten auf, dass die Jünger von Jesus phasenweise bei der Arbeit mit ihm nicht einmal Zeit zum Essen fanden (nachzulesen im Evangelium nach Markus 6,31). Es ist also kein Phänomen des 20. oder 21. Jahrhunderts, dass Menschen gestresst sind! Ich finde das tröstlich zu wissen. Und es ermutigt mich, mich nicht auf Langsamkeit zu konzentrieren, sondern auf Jesus Christus. Er wird mir dann schnelle und langsame Zeiten, übervolle und auch einmal leerere Zeiten schenken.

Deswegen: Urlaub vorbei? Kein Problem. Jesus geht mit uns durch dick und dünn.

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Guter Freitag

22 04 2011

Heute ist ein besonderer Tag. Für mich legt sich auf diesen Tag, den Karfreitag, eine Stille und Ernsthaftigkeit, die ich nicht vermissen oder verdrängen will. Gesetzlich sind heute sogenannte Vergnügungsveranstaltungen verboten. Warum? Um dem Anlass dieses Feiertages Rechnung zu tragen, denn der Sohn Gottes starb am römischen Folter- und Todeswerkzeug, dem Kreuz, vor den Toren Jerusalems. Da soll am Gedenktag bis heute nicht vergnüglich geplärrt werden, denn „Kar“, das kommt aus dem althochdeutschen kara und heißt „Klage, Kummer, Trauer“ (Quelle: Wikipedia). Ein solches Verbot passt nicht in die Zeit. Deswegen wird ja auch dagegen opponiert und das Verbot soll nach dem Willen mancher Politiker und Bürger gekippt werden, was ich zunächst verstehen kann. Wer Jesus nicht kennt und die Bedeutung dieses Geschehens nicht nachvollzieht, wieso soll er auf Vergnügen verzichten? Andererseits könnte dann auch die Frage gestellt werden, ob diese Leute nicht ganz auf den Feiertag verzichten sollten, denn sie profitieren ja, wie jeder andere, von diesem „kirchlichen Feiertag“. Ich gebe zu: das wäre auch nicht ganz fair – und ist deswegen auch nicht ganz Ernst gemeint.

Ich bin heute Morgen in den Abendmahlsgottesdienst meiner Gemeinde (der FeG Witten) gegangen. Es war ein wunderbarer Gottesdienst. Ich bin so glücklich, einen solchen Tag so bedenken zu können und darüber nachzudenken, was es Jesus gekostet hat, sein Leben zu lassen, für die Sünden der Welt, auch für meine. Und dort erzählte unser Pastor, Martin Plücker, dass der Karfreitag im Englischen „Good Friday“ heiße. Diese Bezeichnung geht wohl schon auf Martin Luther zurück: „guter Freitag“. Ich habe gedacht: Ja, so ist dieser Karfreitag: Ernst und fröhlich, voller Klage und Kummer und zugleich gut. Denn in Jesu Tod liegt das Heil der Welt. Für die, die nicht daran glauben, eine Dummheit. Aber für die, die daran glauben, eine Kraft Gottes (siehe 1. Krontherbrief 1,18).





Ohren auf

22 01 2011

Ich gebe es zu: es kommt vor. Meine Frau erzählt etwas und am Ende eines Satzes bekomme ich noch einige Wortfetzen mit, vielleicht verfängt sich eine Frage oder auch nur ein Nebensatz. Aber im Grunde weiß ich nicht, worum es geht, was sie sagte oder wollte und ich muss sie bitten, sich zu wiederholen. Das ist peinlich, aber immer noch besser, als so zu tun, als hätte ich alles verstanden, wissend zu nicken und dann Antworten oder Kommentare zu geben, die überhaupt nicht passen.

Hinhören will gelernt sein. Es mag Müdigkeit sein, die mich daran hindert zuzuhören. Oft bin ich aber auch nur zu sehr mit meinen eigenen Gedanken beschäftigt. Wir haben gelernt, dass das Hinhören sehr wichtig ist, wenn wir als Ehepaar beieinander bleiben wollen. Wir wissen das. Aber ob wir das immer so praktizieren!?

Medienexperten beklagen, dass immer mehr Menschen aneinander vorbei reden oder mailen. So manche Talkshow belegt diese Behauptung anschaulich. Da tun die Teilnehmer einer Runde lediglich ihre Meinung kund. Aber wo sind die, die interessiert hinhören und gerne auch mal Neues erfahren, etwas, das in ihre bisherige Denke nicht passt?

Hinhören setzt voraus, dass ich meine, etwas Neues lernen zu können. Vor laufenden Kameras das einzugestehen, ist schwierig. Auch in Blogs, Internetforen und Kommentarlisten im Internet wird viel gesagt oder geschrieben. Aber wird auch hingehört, was andere sagen oder schreiben? Oft wird nur „zugetextet“.

Wer lernen will zu hören braucht Zeit und Angstfreiheit. Zeit, um nicht sofort reagieren zu müssen. Zeit, um noch mal nachfragen oder noch mal um die Ecke denken zu können. Zeit ist bekannterweise das Luxusgut unserer Tage! Angstfreiheit, weil Angst (vor Gesichtsverlust oder dem Einstürzen der bisherigen Gedankengebäude) blockiert. Wer ohne Angst ist, hört hin, lernt Neues, Unbequemes oder Überraschendes. Und er ist frei, sich dem Ansturm an Worten zu entziehen, um wieder wirklich hören zu können.

Manfred Lütz hat in seinem Buch „Gott – eine kleine Geschichte des Größten“ den wunderbaren Satz geprägt: „Ideologien haben keine Ohren“.  Das ist das Problem jeder abgehobenen, verbarrikadierten und verblendeten Sichtweise. Sie hat nichts mehr zu tun mit der Realität der Menschen. Sie hat schon lange nicht mehr hingehört. Das ist der Vorwurf vieler Menschen an das Christentum. Tatsächlich kann Glaube ideologisch werden, nämlich dann, wenn er keine Ohren mehr hat. Leider schütten viele das Kinde mit dem Bade aus und meinen, Christentum käme ganz ohne Lehre (=Dogma) aus. Das ist großer Unfug. Christus hat gelehrt, Paulus hat gelehrt, denn Lehre gibt Orientierung und Wahrheit. Nur Lehre die keine Ohren hat, die kann keiner gebrauchen.

Der Gott der Bibel, die Quelle aller Wahrheit, neigt sein Ohr zu uns Menschen (Psalm 31,3, 34,16 u.a.). Wir glauben nicht an ein Prinzip und leben nicht von einer Ideologie. Wir glauben an den lebendigen Schöpfergott. Er hat alle Autorität und hört hin. Beides zugleich! Ich halte das für ein großes Wunder. Und für Gottes Kinder gilt das oberste Gebot: „Höre Israel, der Herr, unser Gott, ist der Herr allein.“ (Mk. 12,29).

Ich will lernen zu hören. Ich will hören auf Gott. Ich will hinhören, wenn Menschen mit mir sprechen, hinhören in Predigten oder Liedern. Ich brauche Wachheit, Zeit und Angstfreiheit.





Die stille und heilige Nacht war gar nicht so still

25 12 2009

Gestern haben wir ihn wieder gesungen und gehört, den Schlager „Stille Nacht, heilige Nacht….“. Ein wohliger Schauer läuft uns über den Rücken. Vor uns entsteht das Bild jener Nacht, als Jesus geboren wurde. Der Knabe im lockigen Haar erblickt das Licht der Welt und es ist zunächst mal dunkel. Es ist still.

Still? Bethlehem ist so überlaufen, dass Maria und Joseph keinen Platz finden. Ganz Israel ist auf den Beinen, weil es zur Volksregistrierung geht. Israel ist besetzt. Das ist alles  anderes als beschaulich. Diese Tatsachen müssen wir  uns REGELMAESSIG vor Augen führen. Wir haben enorm hohe Erwartungen an die Weihnachtstage. Und kommen nicht gut damit zurecht, wenn alles ganz anders verläuft: eben nicht so friedlich, wie wir es erhoffen.

Ich kenne viele Leute, die in diesen Tagen mit Sorgen zu kämpfen haben. Mir fallen spontan drei Menschen ein, die im Krankenhaus liegen müssen. Nicht wegen Lappalien, sondern weil es ihnen richtig schlecht geht. Und mir fallen die Familien ein, die an diesen Kranken hängen. Mir fällt ein, dass Weihnachten genau wie eine Woche vorher und nachher ca. eine Milliarde Menschen kaum wissen, wie sie selber satt werden und wie sie ihre Kinder satt kriegen können. Zur gleichen Zeit zerbrechen wir uns den Kopf darüber, ob es nun Lachs oder doch lieber Gans oder vielleicht argentinisches Steak geben soll. Wobei ich hier nichts gegen ein gutes Essen sagen will! Es soll gefeiert werden – und dazu gehört ein gutes Essen, wenn es geht. Ich will nur sagen, dass die Beschaulichkeit, die wir uns wünschen, für sehr viele Menschen in weiter Ferne liegt. In genau dieser stillen Nacht.

Es war vor 2000 Jahren so wie es heute ist: Die Welt ist unruhig. Und ich auch! Das besondere ist, dass Jesus in diese unruhige, zerberstende, tödliche, hungernde, verlorene, sehnsüchtige, hoffende, enttäuschte Welt gekommen ist. Damals in jener Nacht, der heiligen Nacht.

Siehe weitere Blogeinträge zum Thema „Stille“:

Stille entsteht, wenn ich in die heilige Gegenwart Gottes trete. (20.12.2009)





Stille …

20 12 2009

In loser Folge will ich Erfahrungen und Einsichten zum Thema „Stille“ hier einstellen. Das „Jahr der Stille“ ist Anlass dazu.

Stille entsteht, wenn ich in die heilige Gegenwart Gottes trete. (20.12.2009)

Dann verschlägt es mir den Atem. Es gibt diese Momente. Sie sind selten und sehr kostbar. Die Heiligkeit Gottes bezeichnet, dass Gott so ganz anders ist als ich, nämlich rein, mächtig, aus menschlicher Sicht unnahbar. Dass ich überhaupt in Gottes Heiligkeit treten kann liegt allein an Jesus Christus. Durch sein Opfer ist es mir möglich als normaler Durchschnittsmensch dem heiligen Gott zu begegnen! Aber in diesen Momenten werde ich ganz still. Ich will mich am liebsten gar  nicht regen. Es sind Momente, in denen ich bete. Das kann morgens sein, aber auch mitten im Tag. Es geschieht auch häufig, wenn ich mit anderen zusammen bete. Wenn wir ein paar Momente nichts sagen und dann beten – im Namen von Jesus Christus. Ich liebe diese Momente. Ich brauche keine Kathedrale, keine Rituale mit Räucherkerzen. Überhaupt entfällt jede menschliche Leistung. Die sind sowieso lächerlich. Gott ist so heilig, da hat all das keinen Platz. Diese Stille kann bedeuten, dass ich schweige. Sie kann auch bedeuten, dass ich einfach geborgen bin. Denn wenn ich dem heiligen Gott gegenübertrete, dann werden die Sorgen, die ich mitbringe, plötzlich klein. Meine Projekte, die mich so umtreiben, verlieren ihre ach so große Bedeutung. Ich liebe diese Stille





Schwache Menschen

12 11 2009

Vorgestern hat sich Robert Enke, Nationaltorhüter der deutschen Fußballnationalelf, das Leben genommen. Einer, der ganz oben und ganz vorne stand. Einer, von dem man doch annimmt, dass er zufrieden sei, am Ziel seiner Träume! Erfolgreich, wie wenig Menschen. Die Hintergründe treten ans Licht. Die Menschen sind betroffen. Ich auch. Ein Aspekt des Bildes, das entsteht, beschreibt, welche Auswirkungen es haben kann, wenn ein Mensch keine Schwäche zeigen darf. Wenn wir immer gut drauf sein , immer perfekt erscheinen müssen, dann bleibt wenig Energie fürs normale Leben.

Ich denke an mein eigenes Leben. Ich lebe auch – wenn auch nicht so viel wie Robert Enke – in der Öffentlichkeit. Wie groß ist die Gefahr, dass ich nach außen ein Bild aufbaue, das mit dem inneren Leben wenig zu tun hat. Bei Jesus ist das unnötig. Er sieht sowieso, was drin ist. Und er kann mit schwachen Menschen am meisten anfangen. Er ist genau für diese Leute da. Seit wenigen Tagen bin ich per homepage im www vertreten. Sehr schnell habe ich die Gefahr gespürt, dass das Bild, das ich hier zeichne, in keinem Zusammenhang steht mit dem, was in mir ist. Aber es muss nicht so sein! Wie sehr sehnen wir uns nach Echtheit – und nach einem menschlichen Umgang – menschlichen Erwartungen.

Ich bin der Überzeugung, dass alle Rufe nach Innehalten schnell wieder verhallen werden. Unsere Kultur ist sehr leistungsbezogen. Der Fussball sowieso. Wer nicht gewinnt, hat keine Chance. So funktioniert das. Und Leistung ist an sich auch nichts schlechtes. Nur: Wo kann einer hingehen, der darunter leidet? Wo kann ich hingehen, wenn ich die Leistung nicht mehr bringe oder Angst habe?

„So spricht der Hohe und Erhabene, der ewig wohnt, dessen Name heilig ist: Ich wohne in der Höhe und im Heiligtum und bei denen (sic!), die zerschlagenen und demütigen Geistes sind, auf dass ich erquicke den Geist der Gedemütigten und das Herz der Zerschlagenen.“ (Die Bibel in Jesaja 57,15)





Freiheit II

10 11 2009

Kardinal Meissner soll einmal gesagt haben:“Lieber frei sein als frei haben“

Ich sage: „Am liebsten beides“ – aber o.k.: wenn ich mich entscheiden muss, dann lieber frei sein. Ich  merke, dass ich frei sein will von inneren Antreibern die sagen: „du musst das und das tun, damit du wirklich gut bist“ oder „Anerkennung kriegst du nur, wenn du noch mehr leistest.“ Frei sein: das ist die beste Grundlage, um wirklich für Menschen da zu sein – eben nicht aus Zwang, sondern aus Freiheit. Es ist die beste Grundlage für Liebe! Liebe wächst in Freiheit. Und aus Liebe bin ich gerne bereit, auch Höchstleistungen zu bringen. Aber eben aus Liebe, nicht aus Zwang. Jesus hat mich frei gemacht. Weil ich ihm gehöre, müssen alle Antreiber schweigen, und ich bin frei! Ich möchte nicht mehr tauschen.