Langsamkeit

Viele machen in diesen Wochen Urlaub. Ich auch. Aus diesem Anlass gebe ich eine kleine Kostprobe aus meinem Büchlein „Leben heißt unterwegs sein“, das ich am 18. Mai hier vorgestellt habe. Es ist ein idealer Text für den Urlaub. Ich jedenfalls freue mich auf langsamere Tage!

Das afrikanische Volk der Luo sagt: „Wer langsam geht, kommt weit.“ Bergsteiger wissen, dass ein bedächtiges, aber stetiges Tempo eher zum Gipfel führt als ein hohes. Unsere Zeit ist schnell. Und sie treibt uns an. Dabei dauert das Schreiben einer anspruchsvollen E-Mail genauso lange wie das eines Briefes. Nur das Versenden geht schneller.

Die „slow-Bewegung“ nimmt das Tempo aus dem Leben, um Qualität zu gewinnen. Denn wenn ich immer nur hektisch agiere, um dann in der Pause in mich zusammenzusinken, bleibt irgendetwas auf der Strecke, am Ende ich selber. Es geht darum, während des Tuns ruhig zu sein, ruhig zu denken und mehr wahrzunehmen. Ich verliere nicht den Überblick.

Das geht oft nicht. Die Anforderungen sind zu hoch. Die Realität fordert mich. Schnelligkeit ist auch eine Überlebensstrategie. Dennoch braucht es Kontrapunkte.

Langsamer Auto fahren – das spart Nerven und Geld.

Langsamer essen – das schmeckt intensiver.

Langsamer sprechen – man wird mir anders zuhören.

Langsamer urteilen – es wird den Beziehungen helfen.

Langsamer gehen – es ist erstaunlich, was ich da alles sehe.

Langsamkeit ist der Luxus unserer Tage.

Ein Gebet aus Südafrika:

Lass mich langsamer gehen, Herr. Entlaste das eilige Schlagen meines Herzens durch das Stillwerden meiner Seele.

Lass meine hastigen Schritte stetiger werden mit dem Blick auf die weite Zeit der Ewigkeit.

Gib mir inmitten der Verwirrung des Tages die Ruhe der ewigen Berge.

Löse die Anspannung meiner Nerven und Muskeln durch die sanfte Musik der singenden Wasser, die in meiner Erinnerung lebendig sind.

Lass mich die Zauberkraft des Schlafes erkennen, die mich erneuert.

Lehre mich die Kunst des freien Augenblicks.

Lass mich langsamer gehen, um eine Blume zu sehen, ein paar Worte mit einem Freund zu wechseln, einen Hund zu streicheln, ein paar Zeilen in einem Buch zu lesen.

Lass mich langsamer gehen, Herr, und gib mir den Wunsch, meine Wurzeln tief in den ewigen Grund zu senken, damit ich emporwachse zu meiner wahren Bestimmung.

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s




%d Bloggern gefällt das: