Wachstum

2 10 2013

Immer wieder werde ich gefragt, wie es eigentlich kommt, dass wir als Bund Freier evangelischer Gemeinden wachsen. Eine schwierige Frage, auf die ich ungern antworte. Zwei Antworten von mehreren die ich gegeben habe, sind in 1:10 min. (von 1:40 – 2:50) auf

zu sehen, inkl einem kurzen Filmausschnitt vom Bundestag am 20.09.2013 in der FeG Gießen.

Vor 7 Monaten hat Bibel-TV ein Interview mit mir unter derselben Fragestellung aufgenommen. In 25 min. hatte ich mehr Zeit zu antworten, wobei das Gespräch auch manche Aspekte links und rechts der zentralen Fragestellung behandelt. Manche wird es interessieren. Zu finden unter





Wieder aufgetaucht

18 09 2013

Nun ist es Monate her, dass ich einen Text in meinen Blog gestellt habe. Ich stehe vor der Entscheidung: Schließen oder ihn wirklich nutzen. Ich habe mich dafür entschieden, ihn zu nutzen.

Das bedeutet, dass ich mir nicht selbst den Druck machen werde, immer nur lange oder zehnmal abgewogene Texte zu veröffentlichen. Das ist vielleicht auch für die Leser/innen besser. So ist Kommunikation viel eher möglich. Ich habe mir vorgenommen, kürzere und auch mal unausgereiftere Texte zu veröffentlichen.

Ich hoffe, dass Ihr, liebe Blog-Leser/innen damit einverstanden seid. Ich bin gespannt auf Eure Reaktionen.

 

Was mich zurzeit besonders beschäftigt? Am kommenden Samstag, den 21.9.2013, findet in der FeG Gießen der Bundestag der Freien evangelischen Gemeinden statt. Ich bereite mich darauf vor. Neben einer Neustrukturierung der Arbeit unseres Bundes (Bund FeG) werden fünf neue Gemeinden in die Bundesgemeinschaft aufgenommen. Meine Wiederwahl für weitere sechs Jahre als Präses des Bundes FeG steht an. Klar, dass mich das beschäftigt.

 

Interessanterweise steht dieser Tag im zeitlichen Zusammenhang mit der Predigtvorbereitung für den Gottesdienst am folgenden Sonntag, also den 22.9.2013, in der FeG Wetzlar. Ich werde über Lukas 7 sprechen. Da begegnen zwei Menschen Jesus. Der eine ist ein Pharisäer, der andere eine namenlose Frau, die lediglich damit beschrieben wird, dass sie eine Sünderin sei. Die Quintessenz des Textes ist, dass die hingebungsvolle Liebe dieser Frau von Jesus besonders hervorgehoben wird und im Kontrast steht zur distanzierten Haltung des Pharisäers. Spannend!

Mein Wunsch und mein Gebet ist, dass ich als Präses, wenn ich wieder berufen werden sollte, ein Mensch voller hingebungsvoller Liebe bin – natürlich in meiner Art, aber eben voller Liebe, die nicht kleinkrämerisch berechnet. Was helfen dieser Welt und was helfen mir die besten Theorien, wenn sie nicht belebt sind mit echtem Leben und echter Liebe. Das ist nichts gegen gute Theorien! Nur, sie brauchen Liebe. So wie das Leben auch nicht schlaue Blogtexte braucht, sondern hingebungsvolle Liebe.

Also: los geht es.





religiöse Gefühle

22 11 2012

In den letzten Wochen war viel von „religiösen Gefühlen“ die Rede, und zwar von deren Verletzung. Anlässe waren Karikaturen auf der Kunstausstellung „documenta“ in Kassel, in Zeitungen und Magazinen. Und  zuletzt gab es den in den USA produzierten Film „Die Unschuld der Muslime“.

Wenn etwas, das mir wertvoll ist, verunglimpft oder lächerlich gemacht wird, dann verletzt mich das. Wenn jemand mein „religiöses Gefühl“ verletzt, dann muss ich immerhin eines haben. Für mich kann ich sagen: Ich habe eins, denn mein Glaube ist nicht nur Kopfsache, er hat auch mein Gefühl eingenommen. Christus ist in mir und ich bin in ihm. Wir sind so eng miteinander verbunden, dass es mich natürlich verletzt, wenn man Christus lächerlich macht. Es gibt natürlich auch viele Menschen, deren religiöses Gefühl man nicht verletzen kann, denn sie haben keines.

Viele Muslime haben auch religiöse Gefühle. Schon die bildliche Darstellung Mohammeds wirkt auf viele verletzend. Was sich jedoch an Gewalt gegen US-amerikanische Botschaften und deren Personal entlädt, das speist sich meist aus anderen Quellen.  Es ist z.B. für manche Machthaber sehr einfach, von innenpolitischen Problemen abzulenken und den Feind außerhalb des Landes ausfindig zu machen. Diese politischen Führer missbrauchen die religiösen Gefühle der Menschen.

Aber Achtung: Es gab auch friedliche Demonstrationen von Muslimen, gerade in Deutschland. Oder Muslime, die kein besonderes Interesse am besagten Film haben. Doch solche Nachrichten und Bilder sind für die TV-Sender nicht so spannend.

Im Kern meines Glaubens geht es nicht um „religiöse Gefühle“. Es geht um Christus. Er ist der Anker meiner Seele. Er ist der Fels, auf dem ich stehe. Er ist meine Rechtfertigung, mein Heil und meine Heiligung. Er ist Anfang und Ende, Anfänger und Vollender meines Glaubens. Ob ich das fühle? Manchmal ja, manchmal auch nicht. Aber es tut mir weh, wenn jemand Jesus Christus geringschätzig betrachtet oder ihn als  Deppen darstellt. Aber dann frage ich mich: Hat man ihn nicht damals auch geringschätzig behandelt? Gehört es nicht zu der besonderen Botschaft, dass sich der Sohn Gottes, der die Herrlichkeit verließ, als Mensch missachten, schlagen und anspucken ließ. Dass er darin und in seinem Tod am Kreuz, die Sünden der Menschen auf sich nahm? Ja. So war es.

Deswegen unterscheide ich. Erstens: Als Nachfolger Jesu nehme ich es in Kauf, dass man meine „religiösen Gefühle“ verletzt. Ich sage „Danke. Damit ehrst du mich, meinem Herrn zu folgen.“ Aber das kann ich nur sagen, wenn ich mir eingestehe, dass es mich verletzt. Ich tue nicht so, als sei mir das egal. Wem die Verunglimpfung egal ist oder wer das vorschnell abtut, der folgt nicht Jesus, sondern seiner Gleichgültigkeit. Als Jesusfolger muss ich einkalkulieren, dass man ihn heute genauso lächerlich macht, wie es vor 2000 Jahren der Fall war. Meine Antwort soll nicht die Rache sein, indem ich z.B. andere verunglimpfe. Ich will segnen und achten.

Zweitens: Als Bürger dieses Landes und mitdenkender Zeitgenosse sage ich: Das soll nicht der Stil sein, wie in Deutschland mit Menschen umgegangen wird. Dabei geht es gar nicht einmal um Religionen, sondern es geht um Menschen. Was ich in den letzten Jahren an Verunglimpfung und Missachtung von Menschen – vor allem im Internet – gelesen habe, das ist zum Teil entwürdigend, es ist schädlich für das Miteinander von Menschen. Höflichkeit, Zuvorkommen und Achtung muss eingeübt werden. Darüber muss gesprochen werden.

Und drittens: Ich möchte nicht in einem Land leben, wo Menschen ihre Meinung über unseren Glauben nicht offen sagen können. In einer Demokratie soll jeder Bürger auch die Religionen kritisieren und gegen sie polemisieren dürfen. Das gehört zu unserer Freiheit. Geschmacklosigkeiten müssen dann ertragen werden, fallen zum Glück aber meist auf ihre Autoren zurück. In Deutschland sind religionskritische Äußerungen oder Karikaturen erlaubt, solange sie nicht den öffentlichen Frieden gefährden. Damit wird die Reaktion der Betroffenen zum Kriterium für solch ein Einschreiten des Staates.  Hier lauert die Gefahr, die Gewaltbereitschaft von Menschen zum Kriterium des Handelns zu machen. Diesem Kriterium sollte sich ein Staat nicht unterordnen.





Der Hundertjährige

9 10 2012

Im Sommer habe ich es auch getan, wie eine Million andere Deutsche: Ich habe das Buch „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ gelesen. Ich hing ich in der Hängematte und kicherte immer wieder vor mich hin. Es ist schwer zu beschreiben, was da fabriziert, gesponnen und inzwischen in 30 Ländern verbreitet wird. Es ist ein lustiges, ein abenteuerlich lustiges Buch. Ein Rezensent sagt, es habe die Botschaft „Wer wagt gewinnt – und das auch noch im hohen Alter“ – ein echtes Kaufargument in einer alternden Gesellschaft. Hat es mir vielleicht deswegen auch gut gefallen? Wahrscheinlich trifft die Ablehnung jeder politischen oder weltanschaulichen bzw. religiösen Festlegung des alten Mannes (Allan Karlson) den Nerv der Zeit.

Ein Erfolgsgrund liegt für mich darin, dass uns hier ein Mensch präsentiert wird, der sich in seinem Leben extrem wenig Sorgen um den nächsten Tag macht und ohne durchgeplante Strategie schwierigste Situationen meistert.  Ein Mensch, der  mit Leichtigkeit durchs Leben geht. Er gewinnt und er verliert und stellt keine großen Ansprüche.

Man mag ihn, den alten Protagonisten des Romans, weil er so herrlich unbedarft ist. Man weiß: es ist nur eine verrückte Story, ein modernes Märchen, aber man projiziert seine Erwartung nach Leichtigkeit und Sorglosigkeit in ihn hinein. Und das tat der Autor, Jonas Jonasson wohl auch, denn er hat ein bewegtes Leben mit Burn-out, Scheidung, Rosenkrieg und Streit um das Sorgerecht für das Kind hinter sich, als er den Roman schrieb.

Manche empfinden ihren Alltag wie eine Mühle, in der sie zermalmt werden,  fühlen sich unter Druck und überfordert. Wir wissen, dass Stress und Druck zum Leben gehören und auch gar nicht schlecht sind. Aber wir brauchen Luft zum Atmen, wollen nicht erdrückt werden und sehnen uns danach, ein wenig so zu sein wie dieser Hundertjährige.

Jesus sagt: „So seid nun nicht besorgt“ (Mt. 6,31). Angesichts von Kriegsgeschrei und anderen Katastrophen sagt er: „Erschreckt nicht“ (Mt. 24,6). Und Petrus rät: „Werft all eure Sorge auf ihn (Gott), denn er sorgt für euch.“ (1.Petr. 5,7). Diese Worte von Jesus  haben ihren Grund darin, dass  Er König und Herr ist, sein Reich baut und Ihn nichts und niemand erschüttern kann. Wer ihm gehört, empfängt etwas von der Sorglosigkeit, die Kinder (oder Hundertjährige) haben.

 





Ver“ball“hornung

15 05 2012

Ich bin, wie viele, gespannt auf das Champions League Endspiel am Samstag, 19.Mai, in München. SAT 1 sendet das Spiel und wirbt mit einem Trailer, bei dem das „Vaterunser“ als ein Gebet an einen Fußballgott verändert wird. Das ist Ver“ball“hornung in einer besonderen Zuspitzung. Wikipedia definiert Verballhornung als „den (misslungenen) Versuch, einen Text zu verbessern“.

Ich bin einfach nur froh und Jesus Christus dankbar, dass sein Gebet alles überleben wird: den Missbrauch durch gedankenloses Beten (Martin Luther hatte gesagt: „Das Vaterunser ist der größte Märtyrer auf Erden. Denn jedermann plagt’s und missbraucht’s“ WA 58, 564, 25-27), die SAT1-Ver“ball“hornung und auch meinen eigene Glaubenslosigkeit.

Es bleibt dabei: Durch Jesus Christus ist Gott unser Vater geworden. Das Original ist einfach unantastbar. Wer so lernt zu beten, der fängt wirklich an damit.





Pro Koran

17 04 2012

Ich habe schon lange einen Koran bei mir zu Hause, ist doch klar. Und ich bin dafür, dass 25 Millionen Korane verteilt werden. Ich bin auch dafür, dass Bibeln verteilt werden. Die öffentliche Debatte über die Salafistenaktion hat sich inzwischen genug ausdifferenziert. Sie geht nicht gegen den Koran. Sie geht gegen die Gruppe, die die Aktion jetzt in die Wege leitet. Gut so.

Da gibt es allerdings etwas, das mich nervt. Ein befreundeter Geschäftsmann hat regelmäßig in einem arabischen Land zu tun. Er muss seine persönliche Bibel manchmal verstecken, manchmal  reist er ohne. Er hat erlebt, dass er mit der Bibel Ärger bekommt.  Ganz zu schweigen von der Vorstellung, Bibeln in der Hand vieler Muslime in arabischen Ländern zu sehen. Dass aus diesen Ländern angeblich auch viele Gelder für die Koranverteilung kommen ist eine Frechheit. Es ist falsch, auf die Menschenrechtsverhältnisse in anderen Ländern zu verweisen, um die Situation in Deutschland zu gestalten. Aber in diesem speziellen Kontext komme ich nicht daran vorbei. Schließlich nervt es mich, dass Journalisten, die sich gegen die Verteilaktion geäußert haben, bedroht wurden.

Das alles nervt mich – aber ich verliere nicht die Nerven.  Und deswegen bin ich für die Verteilaktion. Diese Erlaubnis dürfen wir uns nicht nehmen lassen. Und ich bin dafür, dass wir gut unterscheiden zwischen den Menschen und bestimmten Ideologien. Aber  vor allem: Jesus ist die Auferstehung und das Leben. Er ist doch viel größer. Ihm folge ich. Auf ihn verweise ich. Er lehrt mich zu lieben, in Wahrheit und Gnade. Die Antwort der Jünger Jesu ist nicht Verbot. Die Antwort ist ein überzeugendes Christsein in der Kraft Gottes.





Glaube am Montag – Medienkonsum

1 02 2012

In einer Statistik (Willow Magazin 4/2011, S. 28f) habe ich gelesen, womit ein Deutscher mit 80 Jahren durchschnittlich seine Zeit verbracht hat. Interessant! 30 Jahre davon mit Medienkonsum, 24,4, Jahre mit Schlafen, 7 Jahre Arbeiten, 5 Jahre Essen, 2 Jahre und 6 Monate im Auto, 9 Monate spielt er mit seinen Kindern, 3 Monate Vereinssitzungen, 2 Wochen Küssen und 2 Wochen Beten. Unter der Statistik steht der Satz aus 1.Kor. 10,31: „Ob ihr nun esst oder trinkt oder was ihr auch tut, das tut alles zu Gottes Ehre
Es gibt natürlich individuelle Abweichungen von diesen Werten und ich weiß nicht im Detail, wie die Statistik zustande gekommen ist. Dennoch bleiben Fragen: Womit will ich meine Zeit verbringen? Will ich Veränderungen vornehmen? Wenn ich mit Gott im Alltag leben will, dann möchte ich lieber mit Menschen zusammen sein, als vor dem Fernseher hocken. Jedoch ist es manchmal auch interessant oder entspannend den Fernseher anzustellen. Beten und Küssen dürfte gerne eine höhere Priorität haben als Vereinssitzungen. Andererseits können Vereinssitzungen nicht nur interessant sein, sondern gemeinsamen Zielen dienen.

Dann wurde mir klar, dass ich vieles gar nicht stark verändern kann. Schlafen, Arbeiten, Essen. Das umfasst Grundbedürfnisse und Grundtätigkeiten. Da geht es gar nicht darum, mehr oder weniger Zeit damit zu verbringen, sondern eben alles „zur Ehre Gottes zu tun“. Das kann eine Frage der Quantität, jedoch auch eine der Qualität sein.

Nun ist die Frage, was es in Bezug auf Medien bedeuten könnte, alles zur Ehre Gottes zu tun. Radiohören bei langen Autofahrten finde ich sehr interessant. Manche Sendung bildet, schöne Musik entspannt oder regt an. Der automatische Griff zum Radioknopf ist manchmal jedoch auch Flucht und Zerstreuung. Fernsehen kann sehr anregend sein. Manch guter Film hat meine Gedanken beflügelt oder meine Gefühle angerührt, andere Programme jedoch zur Passivität verleitet. Neulich sagten meine Frau und ich zueinander, es wäre nicht schlecht, wenn wir mehr „unbeschwerte Momente“ erleben würden. Danach gerieten wir zufällig in die Sendung „Schlag den Raab“ und erlebten genau solche Momente. Das tat gut. Was Gott auf keinen Fall ehrt ist, wenn ich „zappe“. Da vergeude ich Zeit und werde unruhig. Das gilt auch für das Internet, wo es passieren kann, dass ich von der einen auf die nächste Seite gerate und mich all das flüchtig gesehene eher verwirrt als mir hilft. Zu den Medien gehören Zeitungen: Eine gute Wochenzeitung gehört zu meinem Programm. Manchmal würde ich gerne ganz auf Medien verzichten. Dann denke ich wiederum, dass ich mich damit außerhalb einer wesentlichen Realität unserer Zeit stellen würde. Medien können heute eine Art der Kommunikation mit Menschen darstellen.

Was ehrt Gott? Was ist ein verantwortlicher Umgang? Darauf gibt es keine Antwort „von der Stange“ und doch muss ich ihr nachgehen. Es lohnt sich sehr, darüber nachzudenken, mit anderen zu sprechen, die hilfreichen oder auch lähmenden Erfahrungen auszutauschen und den Umgang mit Medien zu üben. In der Bibel ist darüber wenig direkt zu erfahren, weil das Medienzeitalter erst später anbrach. Umso beachtenswerter, dass Medienkonsum in der erwähnten Statistik ganz oben steht. Es lohnt sich also, rein statistisch, gerade beim Medienkonsum Gott zu ehren! Wie würde Jesus heute damit umgehen? Und wie können wir als Christen die Medien mitprägen? Denn sie bestimmen das Denken der Menschen tiefer, als häufig angenommen.