Das Heil für Juden

3 12 2016

Die EKD-Synode hat im November 2016 ein Papier verabschiedet, das in der Presse meist überschrieben wurde mit: „Nein zur Judenmission“ Darin findet sich der Satz: „Christen sind – ungeachtet ihrer Sendung in die Welt – nicht berufen, Israel den Weg zu Gott und seinem Heil zu weisen. Alle Bemühungen, Juden zum Religionswechsel zu bewegen, widersprechen dem Bekenntnis zur Treue Gottes und der Erwählung Israels.“ Aber alles schön der Reihe nach.

Die Überschrift

Die Überschrift lautet „… der Treue hält ewiglich. Psalm 146,6 – Eine Erklärung zu Christen und Juden als Zeugen der Treue Gottes.“ Es geht also um die Treue Gottes! Und darum, dass Christen und Juden Zeugen dieser Treue sind. Das klingt sehr gut und ist wirklich ein zentrales Thema. Denn an der Treue zu Israel zeigt sich Gottes Treue. Und wenn er nicht zu seinen Verheißungen zu Israel, zu den Juden stünde, wie könnte sich jemand auf Jesus Christus verlassen? Der Römerbrief macht dies mehr als deutlich. Und dennoch sagt der Text selbst, dass es eben auch um „Judenmission“ ginge.

Der Text

Ich lese den ganzen Text. Manche historische Einordnung wird gegeben. Und viel Gutes wird gesagt. Dass wir Christen durch Jesus mit Israel bleibend verbunden sind. Dass der Antisemitismus auch in Kirchen und unter Christen zu finden sei. Dass das Verhältnis zu Israel zur Glaubensgeschichte der Christen dazu gehöre! Dass Begegnungen auf Augenhöhe bereichernd seien und man viel voneinander lernen könne. Und auch – ja – dass man einander behutsam den eigenen Glauben, das eigene Verständnis von Gott bezeugen wolle. Schließlich, dass die „Begegnung mit unterschiedlichen Formen jüdischer Glaubenspraxis zu einem tieferen Verständnis des eigenen christlichen Glaubens führe.“ Das alles und noch mehr finde ich hilfreich und ich meine, da gibt es noch eine Menge zu lernen.

Was nicht im Text steht

Aber warum ist kein einziges Wort verloren über die Juden, die Jesus als Messias ansehen, als Heil für die Juden und alle Welt? Sie gab es immer, durch alle Jahrhunderte hindurch. Und sie stehen in der Tradition der ersten Gemeinden. Die Jünger waren Juden, Paulus war Jude. Und sie erkannten in Jesus das Heil. Sie erkannten in Jesus die Treueerklärung Gottes zu allen Menschen! Das Besondere damals war, dass das Heil nicht nur Juden sondern sogar auch Heiden gilt. Wunderbar. Der Jude Jesus als Heil für alle Völker. Wirklich alle, aber eben auch der Juden. Wer könnte das verschweigen, wenn es um Gottes Treue geht? Alle Juden, die Jesus als Messias anerkennen, werden im EKD-Text ausgeklammert, um des Dialoges mit den Juden insgesamt willen. Das tut weh. Es mag schwer sein, als Deutscher den Juden hier etwas zuzumuten. Ich glaube aber, dass das sein muss. Behutsam, demütig, aber doch klar.

Warum dieser Satz?

Mitten drin steht dieser Satz, der das Thema dominiert und den ich zehnmal lesen muss. Christen seien „nicht berufen, Israel den Weg zu Gott und seinem Heil zu weisen“. Okay, „weisen“ ist auch wirklich ein starkes Wort. Wenn man das so zuspitzt, muss man es wohl ablehnen. Ich weise niemandem den Weg, ich weise auf Jesus, den Weg hin! „Alle Bemühungen, Juden zum Religionswechsel zu bewegen, widersprechen dem Bekenntnis zur Treue Gottes und Erwählung Israels.“ Okay, „zum Religionswechsel bewegen“ ist nicht das, was im Kern von „Mission“ steht, das hätte sich langsam herumsprechen müssen. Gebraucht man solche Formulierungen, dann muss man sagen: „Das wollen wir nicht“.

Aber wem ist damit geholfen?

Mission ist doch die überzeugende Einladung in die Königsherrschaft Gottes im Namen Jesu Christi, des Juden und des Sohne Gottes. Sie bedeutet doch nicht, jemanden den „Weg zu weisen“ und sie bedeutet doch nicht, jemandem „zum Religionswechsel zu bewegen“. All das zeigt nur: Je enger ich etwas formuliere, desto leichter kann ich es ablehnen. Der Satz ist also einfach überflüssig. Der gesamte Text hätte gewonnen, wenn man gesagt hätte, dass man übergriffige Unarten von Mission ablehnt, aber dass man sich freut, wenn Christen in einer jesusgemäßen Weise Gottes Liebe und Heil in diesem Jesus von Nazareth bezeugen. Aber ohne Jesus kein christliches Zeugnis. Und ohne Mission keine Kirche.

Es gibt aufgrund der historischen Belastung gute Gründe, gerade Juden gegenüber extrem feinfühlig und demütig zu sein. Aber Jesus ist das Heil für jeden Glaubenden, den Juden zuerst und auch den Heiden (Römer 1,16-17). Alle historische Schuld und Arroganz in der Kirchengeschichte heben diesen biblischen Anspruch nicht auf.

Der EKD-Text ist zu finden unter:

EKD-Erklärung zu Christen und Juden als Zeugen der Treue Gottes





nehmt einander an

1 01 2015

… wie Christus euch angenommen hat. (Jahreslosung 2015)

Achtung. Riesenstreit in Rom. Es geht um die Frage, wer Recht hat. Darum geht es ja fast immer. Rom, ein Schmelztiegel der Kulturen, der religiösen Kulte, der Gerüche und Märkte. Und mittendrin die junge Gemeinde, ebenfalls ein solcher Schmelztiegel. Es überrascht nicht, dass das zu Streit führte. Diejenigen, die aus jüdischen Familien kamen, hatten jüdisch geprägte Vorstellungen davon, was man wann essen und trinken dürfe, und wann welche Feiertage einzuhalten seien. Andere, aus sogenanntem heidnischen Hintergrund, hatten andere Vorstellungen darüber.

Zuerst wurden die Argumente noch recht zivilisiert ausgetauscht, aber das hatte bald ein Ende. Und die Gemeinde in Rom fing an, sich zu zerstreiten und zu spalten. Wie bitte? Wegen Essen und Trinken, wegen dem Einhalten von Feiertagen droht eine Gemeindespaltung? Ja, das liegt daran, dass hinter diesen Gepflogenheiten ganz tief verwurzelte und empfundene Wertmaßstäbe stehen. Die aus jüdischem Hintergrund fanden, dass sich in den alltäglichen Gewohnheiten wie Essen und Trinken zeigt, ob sie Gott ehren. Es sind für sie eben nicht „nur Äußerlichkeiten“. Aber auch die aus heidnischem Hintergrund hatten ihre Muster. Wer bislang Fleisch als Götzenopferfleisch kannte, für den lag auch jetzt nicht nur Fleisch auf dem Teller, es war vielmehr ein Zeichen für eine früher erlebte geistliche Gefangenschaft. Ein klarer Fall der „Macht der Gewohnheit“.

Und so war der Konflikt schnell eskaliert. Und so ähnlich geht das bis heute. In der Gemeinde, zu der man gehört, gehören eben auch Leute, die völlig anders empfinden und ihre Urteile auch gut begründen. Gott hat diese Leute ebenfalls in die Gemeinde gerufen. Er beruft Menschen aus allen Kulturen und mit verschiedensten Biographien in seine Nachfolge und somit auch in seine Gemeinde. Das heißt auch, dass solche Diskussionen und Streite zur Gemeinde dazu gehören.

Ein paar aktuelle Beispiele: Vegetarier gegen Hobbygriller. Fahrradfahrer gegen Motorsportfans. Beim Lobpreis-Aufsteher oder Hände-heber gegen Sitzenbleiber. Radikalpazifisten gegen Bundeswehrsoldaten. Gepiercte gegen Nichtgepiercte. Tätowierte gegen Naturhautträger. Klassische Musik gegen Pop. Rotes Liederbuch gegen grünes gegen Folie gegen Beamer. Ikea-kunden gegen den Rest.
Es wäre leicht, wenn jeder sagen würde, das seien alles Geschmacksfragen. Aber wir verbinden mit den einzelnen Punkten mehr und empfinden manchmal sogar, der andere, der anders denkt und handelt, der sündigt. Ja, er lebt nicht dem Willen Gottes gemäß. Das macht die Diskussion oft schwer.

Paulus sagte den Römern in Bezug auf ihre bitter umkämpften Fragen: „Das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude in dem Heiligen Geist.“ (Römer 14,17). Und er gibt die Richtung an: „Lasst uns dem nachstreben, was zum Frieden dient und zur Erbauung untereinander.“ (Römer 14,19). Deswegen solle man einerseits den anderen hochachten und Rücksicht auf dessen Gewissen nehmen. Zugleich solle man das, was man tut, aus Glauben tun können! Das sind also die beiden Leitlinien: Rücksicht auf den anderen nehmen und ihn aufbauen einerseits und das, was man tut, im Vertrauen auf Gott tun, ehrlich zu seinem eigenen Gewissen stehen andererseits.
Innerhalb dieser Leitlinien ist immer noch das Gespräch, die Auseinandersetzung, ja auch der Streit nötig. Aber es geht nicht darum, selber im Recht zu bleiben. Es geht um mehr. Um Gott, um den anderen, um Gottes Reich.

Diese Argumentation mündet in einer zentralen Orientierungshilfe: „Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob.“ (Römer 15,7).

Das leuchtet sofort ein. Christus hat mich angenommen, wie ich bin. Er lädt mich an seinen Tisch. Der Grund ist seine Gnade. Also ist es ein guter Maßstab, dies auch auf den Nächsten anzuwenden. So schnell das einleuchtet, so schwer ist es in den konkreten und alltäglichen Fragen. Denn die anderen, die er auch an seinen Tisch geladen hat, mit denen – wie soll ich es höflich sagen? – mit denen hätte ich zum Teil normalerweise nichts zu tun. Wir würden einfach getrennte Wege gehen, wenn es nach uns ginge. Aber Jesus hat uns gemeinsam, als bunte Familie an seinen Tisch geladen.
Deswegen brauchen wir diese Erinnerung. Gemeinde Jesu ist kein Club derjenigen, die sich gegenseitig sympathisch finden. Ich fürchte, dass in Gemeinden, in denen sich alle sympathisch finden, Christus kaum zu finden ist. Da ist Gemeinde eine Interessengruppe. Andere bleiben außen vor. Das spürt man schnell.

Wo Jesus herrscht, da nehmen wir einander an, wie er es tut. Das spüren dann auch Gäste, die unsere Veranstaltungen besuchen, sofort.

Gemeinde Jesu ist eine Gemeinschaft von Armen und Reichen, Juden und Arabern, Deutschen und Türken und Iranern und Kongolesen, eine Gemeinde von Frauen und Männern, von Pop-Fans und Countrysängern, von Knoblauchessern und -verabscheuern, von emotionalen und nüchternen Menschen. Diese Liste könnte den Rest des Gemeindebriefes füllen.

Das Leitmotiv des Bundes FeG heißt: „Bewegt von Gottes Liebe bauen wir lebendige Gemeinden“. Ich bin überzeugt, dass lebendige Gemeinden immer auch bunte Gemeinden sind. Zu missionarischen Zwecken richtet sie zielorientierte Angebote ein, in denen gerne Hobbys und gleiche Geschmäcker gepflegt werden können. Das macht Spaß und zieht an. Aber es muss immer klar bleiben: Gemeinde Jesu ist größer. Denn nur in der größeren und bunteren Gemeinde lernen wir, von uns selber abzusehen und Jesus Christus in der Mitte zu behalten. Diese Vielfalt bezieht sich natürlich nicht auf offensichtliche Sünde. Aber da geht es auch schon wieder los: wo fängt Sünde an? Paulus sagt: das Reich Gottes ist Gerechtigkeit und Friede und Freude im Heiligen Geist. Und jetzt müssen wir diskutieren, was tolerierbar ist und was nicht. Tun wir es im Sinne der Jahreslosung.





Was so alles gesagt wird…

8 08 2014

Manche sagen, die Christen hätten sich viel zu lange in ihre fromme Welt zurückgezogen. Sie sollten sich der Welt zuwenden, sich einmischen und sie mitgestalten. Tun sie es dann endlich, hört man, dass sich die Christen viel zu viel einmischen würden, dass sie die Herrschaft der Frommen anstrebten und dass sie sich besser raushalten sollten. Ich sage: liebe diese Welt, gestalte sie mit, egal was andere sagen.

 

Einige sagen, du würdest, wenn Du im Namen Jesu Gutes tust, die Situation der Notleidenden ausnutzen oder nennen dich spöttisch „Gutmensch“. Hältst du dich dann aber zurück, sagen sie, du seist egoistisch und zitieren die Bibel: „Liebe deinen Nächsten…“ Ich sage: tu einfach Gutes und scher Dich wenig um die Interpretation.

 

Manche sagen, du seist intolerant, weil Du daran festhältst, dass Jesus der eine Weg zum Vater, also zu Gott, ist. Ja, dass du eine Gefahr für die Demokratie bist, weil Du das eine für wahr und anderes für falsch hältst. Ich sage: Bleib ganz locker, denn diese Leute halten ihre Aussage ja auch für wahr. Sie bringen da etwas durcheinander. Halte du es auseinander.

 

Man wird sagen, dein Glaube sei etwas für Schwächlinge. Ich sage: Streite das nicht ab, es hat keinen Zweck. Sei, die oder der du bist, gerne auch schwach, warum nicht? Jesus kann mit dir viel anfangen.

 

Man wird sagen, dass du dogmatistisch und moralistisch bist, wenn Du an Gottes Wort und seinen Geboten festhältst und dies auch munter in die Diskussionen einbringst, sogar den Gehorsam ihnen gegenüber ansprichst. Und wenn du die Freiheit predigst, die Gott uns gibt und dass Gottes Gebote und Gehorsam nicht den Weg zu Gott garantieren, dann halten sie dich für liberal. Ich sage: halte dich an Christus fest, der macht dich frei zum Gehorsam.

 

Einer hat mal gesagt und wird immer wieder zitiert, die Christen müssten erlöster aussehen, damit man an ihren Erlöser glauben könne. Aber wenn du dann erlöst aussiehst (keiner hat mir jedoch gesagt, wie das gehen soll), regen sie sich über dein Dauergrinsen auf. Ich sage: Schau einfach ehrlich, lächle, wenn es geht, der Rest ist egal.

 

Einer hat mal gesagt: „Wenn der Satz “Jesus lebt” geglaubt würde, müssten den Christen eigentlich Flügel wachsen, die Gemeinden müssten vor Kraft strotzen, ihre begeisterten Mitglieder müssten an Ostern durch die Straßen rennen und jedem ins Ohr brüllen: “GOTT lebt! Wirklich, er lebt!”“ Wenn du das dann tust, kriegst du was auf deine Ohren. Sag’s weiter. Bleib begeistert. Brüll lieber nicht.

 

Man sagt, Jesus sei ja ganz in Ordnung aber sein Bodenpersonal…! Bevor Du dich vom Bodenpersonal distanzierst bedenke: du gehörst dazu. Außerdem gilt die Grundregel: Menschen merken sich immer eher das negative als das positive, auch beim Personal. Bleibe begeistertes Bodenpersonal.

 

Man wird sagen, du bist von gestern, wenn du an Dingen festhältst, die gestern galten. Nicht alles, was gestern galt, ist heute überholt, manches schon. Schau es dir an. Prüfe.

 

Man wird sagen, deine Bekehrung sei ja rein psychologisch zu erklären. Da kann man nichts zu sagen – außer dass deine Psyche, also deine Seele, hoffentlich auch von deiner Bekehrung betroffen ist.

 

Und manchmal wird Dein Herz sagen, dass an all den Vorwürfen und Einwänden ja auch etwas dran sei. Ein Körnchen Wahrheit zumindest, ein ganzer Sack von Körnchen vielleicht. Ja, all das gibt es auch bei dir: Enge, Dogmatismus, moralistische Härte, Subjektivismus, falsche Motive, fehlende Freude und Überzeugung. Das sagt aber nichts darüber aus, dass Jesus nicht unser ein und alles ist und bleibt. Bete: „Prüfe mein Herz und erkenne, wie ich es meine“ (Psalm 139,23). Und denke an Jesus, den man Fresser und Weinsäufer nannte, den man am Kreuz noch verhöhnte, der es niemandem recht machen konnte. Versuch auch du es nicht allen Recht zu machen.

Geh deinen Weg in Seinem Licht. Wir sehen uns dann!

 





Wie ein Diamant

8 05 2014

Als Alain Resnais starb, war mir sein Name völlig unbekannt und hatte für mich keine Bedeutung. Ich sah die Abendnachrichten und ein Bild des 91-jährigen französischen Starregisseurs, der am 1. März 2014 starb. Schauspieler, die mit ihm zusammenarbeiteten, wurden interviewt. Ich horchte auf, als ein Mann, der mit Resnais zusammengearbeitet hatte, folgendes sagte: „Resnais legte oft seinen Kopf in die Hände und schaute Dich an, als seist Du ein Diamant. Und das machte dich zu einem Diamanten!“.

Was ist das für ein erstaunlicher Satz. Ich malte mir die Situation ein wenig aus. Dieser Regisseur behandelte seine Leute wie Diamanten, er sah sie so an. Er schätzte sie als wertvoll ein. Er behandelte sie so. Die Schauspieler empfanden sich selber vielleicht ganz anders: nicht perfekt, fehlerhaft, hässlich, untalentiert. Und sie waren es vielleicht auch – mehr oder weniger. Aber durch den Umgang mit diesem Mann wurden sie verändert. Sie fingen an zu strahlen und konnten ihr schauspielerisches Talent ganz ausleben. Das Potential, das in ihnen lag, konnten sie entwickeln. Nicht Angst bestimmte sie, sondern Freiheit. Sie konnten sich entfalten und wurden zu dem, wie sie angesehen wurden.

Nun, es wird vielleicht auch Schauspieler geben, die das anders erlebt haben. Leute, die gänzlich ungeeignet waren oder die vielleicht mal einen Konflikt mit dem Mann hatten. Das weiß ich nicht. Ich kann mir nur vorstellen, dass solche Leute am Todestag eher nicht zitiert werden. Aber davon abgesehen beschreibt der Satz doch eine ganz wunderbare Lebenserfahrung, die zumindest einige gemacht haben. Eine Lebenserfahrung, die wir auch woanders machen können.

Wenn sich Ehepartner auch nach 30 Ehejahren wertschätzen, sich gegenseitig Liebe zeigen, sich nicht nur „Schatz“ nennen, sondern auch wie einen Schatz behandeln und ansehen, dann werden sie unter diesem Einfluss strahlender. Und umgekehrt gilt dasselbe: ein Mensch, der immer nur das Gefühl vermittelt bekommt, nichts zu sein, nichts zu können, nicht gut genug auszusehen, der sieht dann auch sehr bald „alt“ aus.

Mir fällt das immer wieder auf, wenn Mitarbeiter gelobt werden. Wir Deutschen haben eine überbordende Sorge davor, jemanden zu sehr zu loben, denn der könnte dann ja meinen, nichts mehr lernen zu müssen. Oder wir haben Sorge, das Lob sei nicht echt. Das gibt es, dieses oberflächliche Loben, das von weitem schon nach Manipulation statt nach Wertschätzung riecht. Aber Hand auf’s Herz: ist das unser Problem in Deutschland? Ganz sicher nicht. Unser Mangel ist wohl eher, dass wir uns zu wenig trauen, einander gutes zu sagen, Wertschätzung auszudrücken. Wir meinen sofort, der andere würde dann vielleicht stolz werden. Oder er würde dann zu wenig an seinen Schwächen arbeiten. Das ist Unsinn und gilt nur für die allerwenigsten Menschen.

Wenn Mitarbeiter gelobt werden, konkret, echt, wertschätzend, dann blühen sie auf. Das gilt mir genauso wie (fast) jedem anderen Menschen. Dazu gehört jemand, der das auch von Herzen meint! Der Satz mit dem Diamanten spornt mich an. Ich glaube, dass ich da noch viel zu lernen habe.

Und was ist mit Gott? Er sagte seinem Volk: „Du bist kostbar und wertgeachtet in meinen Augen!“ (Jesaja 43,4). Das besondere der Agape, der Liebe Gottes, ist, dass sie liebt, auch wenn wir uns ganz anders verhalten, als es gut ist. Sie gilt, wenn wir Dinge tun, die nicht lobenswert sind. Die Liebe Gottes durchbricht ja gerade den Teufelskreis, der nach unten zieht. Die Liebe Gottes verurteilt die Sünde, sie gilt gerade dem Sünder (Römer 5,8) und sie sieht auch in ihm noch den Begabten, den gut geschaffenen Menschen. Die Liebe Gottes trägt alles weg, was zerstört und kaputt macht. Gott selber war in Jesus und versöhnte die Menschen mit sich. Es hat ihn das wertvollste gekostet, seinen geliebten Sohn. Der starb aus Liebe. Und in diesem Sinne und darauf basierend könnte das Bild passen: Gott legt seinen Kopf in die Hände, er schaut Dich und mich an und betrachtet uns wie einen Diamanten!





Männer

23 10 2013

„Mann sein – in den Augen Gottes“. Über dieses Thema sollte ich beim ersten Männertag im Bund FeG am 5.Oktober 2013 referieren. Ich hatte bis dahin wenig Bezug zu diesem Thema. Ich habe mir nie besonders viele Gedanken gemacht, ob ich das, was ich tue, als Mann tue oder einfach als Mensch, als der, der ich eben geworden bin. Als ich mich dann mit der Thematik beschäftigte, begegneten mir fast jeden Tag Hinweise auf‘s Mannsein. Freizeitangebote für Männer, Männermode, Männerwitze, Männermagazine, Männerforschung. Sehr häufig kippte das Material in extreme Richtungen. Entweder Männer wurden gleichgesetzt mit Kettensägen schwingenden, am Holzkohlegrill (Gas geht gar nicht!) stehenden, Zoten reißenden Machos. Oder aber sie wurden dargestellt als etwas unterbemittelte und sozial inkompetente Primitivlinge. Oder aber es durften prinzipiell keine Unterschiede zwischen Männern und Frauen existieren, weil Ungleichheit zugleich Ungerechtigkeit bedeuten würde, was von der Genderideologie gerne propagiert wird.

Mir wurde immer klarer: Wenn wir nicht eine gesunde Beschreibung vom Mannsein haben, wird das Vakuum mit diesen Klischees und Verzerrungen gefüllt. Ich nannte meinen Vortrag: „Mannsein, jenseits von Macho- und Schluffitum“. Ja, Gott hat den Menschen geschaffen. Als Mann und Frau hat der Mensch den Auftrag, sich zu vermehren und die Erde zu gestalten. Das ist unsere gemeinsame Berufung. Aber Gott hat den Menschen eben als Mann und Frau geschaffen. Männer und Frauen unterscheiden sich. Die xy/xx-Chromosomen sind unterschiedliche Grundlagen, die in alles hineinwirken, was wir sind. Die männlichen und weiblichen Hormone bestimmen einen großen Teil unseres Lebens. Bei der „Vermehrung“ gibt es rein physiologisch nicht zu bestreitende Unterschiede. Während der Mann theoretisch in zwei Minuten ein Kind gezeugt haben kann, trägt die Frau das Kind neun Monate in sich. Der Mann kann sich (wieder theoretisch, aber leider oft auch praktisch) ohne weiteres aus dem Staub machen. Die Frau gebiert das Kind, säugt es und kann dadurch eine ganz andere Bindung zum Kind haben. Schließlich ist das Gehirn der Frau anders konzipiert. Man kann vereinfacht sagen, dass bei ihr mehr Zellen und Areale miteinander verknüpft sind. Während der Mann eher zielorientiert denkt, kann die Frau umsichtig denken. Sie nimmt mehr wahr! Beides hat Vor- und Nachteile.

Sicher, diese Unterschiede treffen so nicht auf jeden einzelnen Menschen in gleicher Intensität zu. Aber die Richtungen sind unbestreitbar und man sollte sie zumindest begrüßen – ohne jeden einzelnen Menschen damit festzuschreiben. Wichtig ist aber nun die Frage, was man mit den Unterschieden macht.

Ich glaube Männer neigen dazu, sich ihrer Verantwortung zu entziehen. Schon Adam sagte: „Die Frau, die du mir gegeben hast, die gab mir von dem Baum und ich aß (1Mo 3,12). Männer neigen dazu, nachdem sie Kinder gezeugt haben, alles weitere den Frauen zu überlassen. Das ist weltweit leider oft genug Realität.

Aus diesem Grund ist eine große Botschaft an die Männer: Übernehmt Verantwortung! Als Ehemänner sollen wir unsere Frauen lieben wie Christus die Gemeinde. Als Männer sollen wir uns vor Gott verantworten. Wir sollen uns nicht als Opfer von Hormonen und Umständen in dieser Welt sehen, sondern eben die Welt gestalten! Im Namen des Gottes, der uns geschaffen hat.
Deswegen ist meine Botschaft: Seid keine Machos, die ihre innere Schwäche mit angeblich männlichem Gehabe überdecken! Aber auch nicht Schluffis, die keine Verantwortung übernehmen und alles schön den anderen überlassen! Verzieht euch nicht in die weinerliche Ecke mit den Klagegesängen über die „die böse Welt“ oder „die bösen Frauen“ oder „die böse Genderideologie“! Jenseits dieser beiden ungeeigneten Konzepte ist der Mann von Gott geschaffen, geprägt und geliebt. Er soll vor Gott leben, seine Beauftragung (Weltgestaltung und Mission) annehmen und Verantwortung übernehmen: für sich, für die Familie, in Gesellschaft, Beruf und in der Gemeinde.

Ich weiß, es ist uns bald zu viel, so etwas zu hören. Mir auch. Aber wenn es uns zu viel ist und wir vor der Fülle von Verantwortung weglaufen möchten, bleibt uns nur eins: zu Gott zu kommen und ihn um die Kraft zu bitten, die wir brauchen. Eine angemessen Reaktion ist auf keinen Fall, sich zurück zu ziehen und zu schmollen. Nein, wir sollen uns in der Kraft Gottes und Gnade Jesu erheben und leben. Gott wird uns geben, was wir brauchen. Das hat er verheißen. Er zieht uns nicht nur zur Verantwortung. Er sagt: „Fürchtet euch nicht“ (Mt 28,10 und an vielen Stellen), „Sei stark und mutig“ (Jos 1,9) und „… junge Männer straucheln und fallen, aber die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft …“ (Jes 40,30f).





Wachstum

2 10 2013

Immer wieder werde ich gefragt, wie es eigentlich kommt, dass wir als Bund Freier evangelischer Gemeinden wachsen. Eine schwierige Frage, auf die ich ungern antworte. Zwei Antworten von mehreren die ich gegeben habe, sind in 1:10 min. (von 1:40 – 2:50) auf

zu sehen, inkl einem kurzen Filmausschnitt vom Bundestag am 20.09.2013 in der FeG Gießen.

Vor 7 Monaten hat Bibel-TV ein Interview mit mir unter derselben Fragestellung aufgenommen. In 25 min. hatte ich mehr Zeit zu antworten, wobei das Gespräch auch manche Aspekte links und rechts der zentralen Fragestellung behandelt. Manche wird es interessieren. Zu finden unter





Wieder aufgetaucht

18 09 2013

Nun ist es Monate her, dass ich einen Text in meinen Blog gestellt habe. Ich stehe vor der Entscheidung: Schließen oder ihn wirklich nutzen. Ich habe mich dafür entschieden, ihn zu nutzen.

Das bedeutet, dass ich mir nicht selbst den Druck machen werde, immer nur lange oder zehnmal abgewogene Texte zu veröffentlichen. Das ist vielleicht auch für die Leser/innen besser. So ist Kommunikation viel eher möglich. Ich habe mir vorgenommen, kürzere und auch mal unausgereiftere Texte zu veröffentlichen.

Ich hoffe, dass Ihr, liebe Blog-Leser/innen damit einverstanden seid. Ich bin gespannt auf Eure Reaktionen.

 

Was mich zurzeit besonders beschäftigt? Am kommenden Samstag, den 21.9.2013, findet in der FeG Gießen der Bundestag der Freien evangelischen Gemeinden statt. Ich bereite mich darauf vor. Neben einer Neustrukturierung der Arbeit unseres Bundes (Bund FeG) werden fünf neue Gemeinden in die Bundesgemeinschaft aufgenommen. Meine Wiederwahl für weitere sechs Jahre als Präses des Bundes FeG steht an. Klar, dass mich das beschäftigt.

 

Interessanterweise steht dieser Tag im zeitlichen Zusammenhang mit der Predigtvorbereitung für den Gottesdienst am folgenden Sonntag, also den 22.9.2013, in der FeG Wetzlar. Ich werde über Lukas 7 sprechen. Da begegnen zwei Menschen Jesus. Der eine ist ein Pharisäer, der andere eine namenlose Frau, die lediglich damit beschrieben wird, dass sie eine Sünderin sei. Die Quintessenz des Textes ist, dass die hingebungsvolle Liebe dieser Frau von Jesus besonders hervorgehoben wird und im Kontrast steht zur distanzierten Haltung des Pharisäers. Spannend!

Mein Wunsch und mein Gebet ist, dass ich als Präses, wenn ich wieder berufen werden sollte, ein Mensch voller hingebungsvoller Liebe bin – natürlich in meiner Art, aber eben voller Liebe, die nicht kleinkrämerisch berechnet. Was helfen dieser Welt und was helfen mir die besten Theorien, wenn sie nicht belebt sind mit echtem Leben und echter Liebe. Das ist nichts gegen gute Theorien! Nur, sie brauchen Liebe. So wie das Leben auch nicht schlaue Blogtexte braucht, sondern hingebungsvolle Liebe.

Also: los geht es.